Der neo­ko­lo­nia­le Pakt

Der Mi­gra­ti­ons­pakt der Ver­ein­ten Na­tio­nen wird we­nig ver­bes­sern und vie­les ver­schlech­tern, vor al­lem aber ei­nes: die mi­gra­ti­ons­aus­lö­sen­de Un­gleich­heit wei­ter ver­stär­ken.

Aus­ge­rech­net in der Nä­he des afri­ka­nisch-eu­ro­päi­schen Na­del­öhrs tref­fen sich am 10. De­zem­ber 2018 Ver­tre­te­rIn­nen der UNO-Staa­ten­welt zum Mi­gra­ti­ons­hype.

An der afri­ka­nisch-eu­ro­päi­schen Schwel­le lebt das al­te ko­lo­nia­le Er­be noch, des­sen ter­ri­to­ria­le Res­te sich bis in un­se­re Ta­ge er­hal­ten ha­ben, und zwar in zwei­fa­cher Hin­sicht. Da sind ein­mal die spa­ni­schen Ex­kla­ven Me­lil­la und Ceu­ta, die mit ho­hen Ma­schen­draht­zäu­nen um­ge­ben sind, an de­ren schar­fen Me­tall­zäh­nen sich das an­bran­den­de Elend des schwar­zen Kon­ti­nents blu­tig schlägt. Vis-à-vis da­von, an der süd­lichs­ten Spit­ze der ibe­ri­schen Halb­in­sel, er­in­nert das Ver­ei­nig­te Kö­nig­reich an sei­ne he­ge­mo­nia­le Ver­gan­gen­heit und be­haup­tet al­lem Ge­re­de von ei­ner „ge­mein­sa­men eu­ro­päi­schen Kul­tur“ zum Trotz den Fel­sen Gi­bral­tar als ei­ge­nes Ho­heits­ge­biet. Bei den Fei­er­lich­kei­ten zur Be­schluss­fas­sung des „Glo­ba­len Pak­tes für ei­ne si­che­re, ge­ord­ne­te und re­gu­lä­re Mi­gra­ti­on“, vul­go: Mi­gra­ti­ons­pakt, wird vom Ko­lo­nia­lis­mus und sei­nen bis heu­te rei­chen­den Fol­gen nicht die Re­de sein und ins­be­son­de­re auch nicht dar­über, wel­che Grund­la­gen für Kri­sen, Krie­ge und Ver­trei­bun­gen auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent sei­ne Pro­po­nen­ten ge­legt ha­ben. Der UN-Mi­gra­ti­ons­pakt soll, so be­haup­ten sei­ne Be­für­wor­ter, ein bes­se­res Zeit­al­ter ein­läu­ten. Weil er his­to­ri­sche Wur­zeln und so­zio-öko­no­mi­sche Ur­sa­chen der welt­wei­ten Schief­la­ge igno­riert, wird er das Ge­gen­teil er­rei­chen … und die mi­gra­ti­ons­aus­lö­sen­de Un­gleich­heit le­gi­ti­mie­ren.

Schon das dem Text des UN-Pak­tes grund­ge­leg­te Ver­ständ­nis von Mi­gra­ti­on macht die Stoß­rich­tung der In­itia­ti­ve deut­lich. Im ers­ten Ab­satz der „Leit­li­ni­en“ heißt es un­ter Punkt 8: „Wir er­ken­nen an, dass Mi­gra­ti­on ei­ne Quel­le des Wohl­stan­des, der In­no­va­ti­on und der nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung in un­se­rer glo­ba­li­sier­ten Welt ist.“

„Für wen?“, müss­te sich ein un­be­darf­ter Le­ser spon­tan fra­gen. Ei­ne Ant­wort dar­auf er­hält er frei­lich nicht. Statt­des­sen geht es in ver­schwur­bel­ter Spra­che wei­ter: „Ziel des glo­ba­len Pak­tes ist es, das Po­ten­ti­al der Mi­gra­ti­on für die Er­rei­chung al­ler Zie­le für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung zu nut­zen so­wie die Wir­kung zu er­hö­hen, die die Er­rei­chung der Zie­le in der Zu­kunft für Mi­gra­ti­on ha­ben wird.“

Auf ins­ge­samt 34 Sei­ten wird die Be­weis­füh­rung ver­sucht, dass Mi­gra­ti­on für die dem Pakt bei­tre­ten­den Staa­ten zu „ei­ner Win-Win-Zu­sam­men­ar­beit“, un­ter Punkt 14, füh­ren wird. Dort, wo kaum hör­bar und noch schwe­rer les­bar an­ge­deu­tet wird, dass am Weg da­hin viel­leicht doch Hin­der­nis­se auf­tau­chen könn­ten, wer­den die ver­wen­de­ten Be­grif­fe fein ab­ge­wo­gen. Es ist dann nicht von „Vor­tei­len und Nach­tei­len der Mi­gra­ti­on“ die Schrei­be, son­dern von „Vor­tei­len und Her­aus­for­de­run­gen“. Ein ne­ga­tiv kon­no­tier­tes Wort kommt im Text nicht vor.

Und die Wirk­lich­keit? Wem nüt­zen und wem scha­den mas­sen­haf­te Wan­de­run­gen, sei­en sie nun durch Krie­ge und Ver­trei­bun­gen oder durch die wirt­schaft­li­che Not aus­ge­löst? Sol­che Fra­gen kann nur je­mand ta­bui­sie­ren, der in der Mi­gra­ti­on tat­säch­lich „ei­ne Quel­le des Wohl­stan­des, der In­no­va­ti­on und der nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung“ sieht, je­mand al­so, der die Ur­sa­chen aus­klam­mert und mit ei­nem Tun­nel­blick durch die Welt geht, ge­trie­ben ent­we­der vom ei­ge­nen wirt­schaft­li­chen Vor­teil oder dem schlech­ten Ge­wis­sen den Ar­men im „glo­ba­len Sü­den“ ge­gen­über. Bei­des führt zur ver­zerr­ten Wahr­neh­mung.

Der neo­ko­lo­nia­le Pakt – Ein Kom­men­tar von Han­nes Hof­bau­er (13:18 min)

Mas­sen­mi­gra­ti­on ist der sicht­ba­re Aus­druck welt­wei­ter Un­gleich­heit. Wer die­se Er­kennt­nis teilt, kann am UN-Mi­gra­ti­ons­pakt nichts Gu­tes fin­den, denn die­ser Zu­stand muss über­wun­den und nicht ver­wal­tet wer­den.

Das durch­schnitt­li­che Pro­kopf-Ein­kom­men im Kon­go liegt 93 Mal un­ter je­nem in den USA. 93 Mal. Und im ge­mein­sa­men EU-eu­ro­päi­schen Bin­nen­markt be­trägt die Dif­fe­renz im Durch­schnitts­lohn zwi­schen Deutsch­land und Bul­ga­ri­en 8:1. Die­se Zah­len er­klä­ren die Trieb­kräf­te, die Men­schen da­zu brin­gen, in Scha­ren ih­re Hei­mat zu ver­las­sen und sich über das Mit­tel­meer oder den Bal­kan in den eu­ro­päi­schen Zen­tral­raum auf­zu­ma­chen. Die Ur­sa­chen der Mi­gra­ti­on sind men­schen­ge­macht.

Frei­han­dels­ab­kom­men zwi­schen Brüs­sel und über 30 afri­ka­ni­schen und ka­ri­bi­schen Staa­ten ver­drän­gen zig Mil­lio­nen Bau­ern und Klein­ge­wer­be­trei­ben­de aus lo­ka­len Märk­ten, der Mil­lio­nen Hekt­ar um­fas­sen­de Land­kauf durch bri­ti­sche, sau­di­sche, chi­ne­si­sche und an­de­re In­ves­to­ren tut ein Üb­ri­ges. Es sind die Söh­ne die­ser im Kon­kur­renz­kampf mit den glo­bal agie­ren­den Kon­zer­nen Un­ter­le­ge­nen, die fern ih­rer Hei­mat ein Über­le­ben su­chen (müs­sen).

Die­se so­ge­nann­ten „Öko­no­mi­schen Part­ner­schafts­ab­kom­men“ schaf­fen Mi­gra­ti­on. Da­zu kommt der Krieg des Wes­tens ge­gen die mus­li­mi­sche Welt, der seit über ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert Hun­dert­tau­en­de ge­tö­tet und Mil­lio­nen ver­trie­ben hat. West­li­che Al­li­an­zen lö­sen Flucht- und Mi­gra­ti­ons­wel­len im Na­hen und Mitt­le­ren Os­ten, in Af­gha­nis­tan, Nord­afri­ka und Ma­li aus.

Mi­gra­ti­on wird ge­macht. Sie hat vie­le Ge­sich­ter und nur die we­nigs­ten spie­geln Glück und Zu­frie­den­heit. Ge­win­ner und Ver­lie­rer kön­nen re­la­tiv leicht iden­ti­fi­ziert wer­den. Zu den Ge­win­nern zäh­len Un­ter­neh­men, die ei­ne stän­di­ge Zu­fuhr bil­li­ger und — ih­rer Not ge­hor­chend — wil­li­ger Ar­beits­kräf­te nüt­zen kön­nen, um die Pro­duk­ti­ons­kos­ten im welt­wei­ten Wett­be­werb nied­rig hal­ten zu kön­nen.

Ih­re Sprach­roh­re in Deutsch­land for­dern dem­nach lo­gi­scher­wei­se, mehr Mi­gran­tIn­nen ins Land zu las­sen, wie bei­spiels­wei­se ei­ne Stu­die der Ber­tels­mann-Stif­tung vom Mai 2015. We­ni­ge Mo­na­te vor der gro­ßen mus­li­mi­schen Ein­wan­de­rung ver­öf­fent­lich­te die Stif­tung Re­cher­chen, aus de­nen sie ei­ne „Triple-Win“-Situation ab­lei­te­te; al­le wür­den, so der Te­nor, von Mi­gra­ti­on pro­fi­tie­ren: die Her­kunfts­län­der, die Ziel­län­der und die Mi­gran­ten (1).

Auch der Prä­si­dent des „Bun­des­ver­bands der deut­schen In­du­strie“, Ul­rich Gril­lo, stieß we­ni­ge Ta­ge vor An­ge­la Mer­kels Will­kom­mens­gruß ins sel­be Horn und gar­nier­te sein Ar­gu­ment noch mit „christ­li­cher Nächs­ten­lie­be“ (2).

Zu den Ver­lie­rern ge­hö­ren ne­ben dem Groß­teil der Mi­gran­tIn­nen selbst und je­nen im­mer mehr wer­den­den Ein­hei­mi­schen in den west­eu­ro­päi­schen Zen­tral­räu­men, die von der Kon­kur­renz am Ar­beits- und Woh­nungs­markt be­trof­fen sind, vor al­lem die Volks­wirt­schaf­ten, die für die Aus­bil­dung der Aus­wan­dern­den ge­zahlt ha­ben.

Zwi­schen 2011 und 2017 ver­lie­ßen 7000 Ärz­te Ru­mä­ni­en in Rich­tung Kern-EU, Ser­bi­en mel­de­te ähn­li­che Zah­len. Ein aus­ge­bil­de­ter Me­di­zi­ner ver­dient in Ru­mä­ni­en 400.-, in Deutsch­land 4000.- Eu­ro. Die­se Dif­fe­renz über­zeugt den jun­gen Arzt aus Ost­eu­ro­pa. 38 Pro­zent des me­di­zi­ni­schen Per­so­nals in Groß­bri­tan­ni­en — das sind 50.000 Ärz­te und 95.000 Kran­ken­schwes­tern — er­hiel­ten ih­re Aus­bil­dung in pe­ri­phe­ren, struk­tur­schwa­chen Län­dern; in Deutsch­land sind es 10 Pro­zent. Wenn man die­ser Zahl die Aus­bil­dungs­kos­ten von 200.000 bis 300.000 Eu­ro pro Arzt zu­grun­de legt, dann kann man sich leicht aus­rech­nen, wer von der Mi­gra­ti­on pro­fi­tiert und wer ver­liert.

Deutsch­land, ge­nau­er ge­sagt die deut­sche Ge­sell­schaft für in­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit (GIZ), hat üb­ri­gens aus die­ser re­gio­na­len und so­zia­len Dif­fe­renz ein Ge­schäfts­mo­dell ent­wi­ckelt. Sie schloss mit den Be­hör­den in Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na ei­nen Ver­trag, der es deut­schen Ge­sund­heits­un­ter­neh­men er­laubt, in Bos­ni­en Aus­bil­dungs­kur­se an­zu­bie­ten — frei­lich nicht für die lo­ka­len Spi­tä­ler, son­dern für Kran­ken­an­stal­ten und Se­nio­ren­hei­me zwi­schen Kiel und Mün­chen. Das ört­li­che Goe­the-In­sti­tut ko­or­di­niert die Sprach­kur­se.

„Das ist gut für al­le“, meint die Di­rek­to­rin ei­ner die­ser Sprach­schu­len und fügt mit sar­kas­ti­schem Un­ter­ton hin­zu: „vor al­lem für die deut­schen Un­ter­neh­men, für die es viel teu­rer wä­re, wenn sie ih­re An­ge­stell­ten in Deutsch­land aus­bil­den müss­ten“ (3). So stellt sich auch der UN-Pakt ei­ne „si­che­re, ge­ord­ne­te und re­gu­lä­re Mi­gra­ti­on“ vor.

Im Jahr 2016 kam dann un­ter der Schirm­herr­schaft des IWF (4) ei­ne Stu­die her­aus, die auf den ers­ten Blick ver­wun­dert. Dort heißt es, dass die Mas­sen­ab­wan­de­rung aus Ost­eu­ro­pa, die zwi­schen Mit­te der 1990er Jah­re und 2015 20 Mil­lio­nen Men­schen er­fasst hat, den ein­zel­nen Län­dern im Schnitt 7 Pro­zent ih­res Wachs­tums­po­ten­ti­als ge­kos­tet hät­te.

Der IWF-Ken­ner glaubt, sich ver­le­sen zu ha­ben und blät­tert zu­rück. Tat­säch­lich: die Mi­gra­ti­on aus dem Os­ten des eu­ro­päi­schen Kon­ti­nents hat den neu­en EU-Mit­glieds­staa­ten in­ner­halb ei­nes Jahr­zehnts 7 Pro­zent Wachs­tum ge­kos­tet. Mit der Welt des IWF im Rei­nen ist sein Kri­ti­ker erst wie­der, wenn er wei­ter­blät­tert und die Emp­feh­lun­gen der in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­or­ga­ni­sa­ti­on re­gis­triert, wie Bul­ga­ri­en, Ru­mä­ni­en, Po­len oder die Slo­wa­kei auf die­sen Ader­lass re­gie­ren sol­len.

Der IWF for­dert näm­lich So­fia, Bu­ka­rest, War­schau und Bra­tis­la­va da­zu auf, ih­rer­seits Be­din­gun­gen zu schaf­fen, um bil­li­ge Ar­beits­kräf­te aus der Ukrai­ne, Weiß­russ­land und Al­ba­ni­en ins Land zu ho­len. Die Mi­gra­ti­ons­spi­ra­le soll sich wei­ter­dre­hen. Und sie tut es mitt­ler­wei­le auch.

Die Slo­wa­kei hat im Mai 2018 ihr Ein­wan­de­rungs­ge­setz li­be­ra­li­siert, um den durch Mas­sen­ab­wan­de­rung vi­ru­lent ge­wor­de­nen Fach­ar­bei­ter­man­gel zu be­he­ben; schon ar­bei­ten tau­sen­de Ukrai­ner in der slo­wa­ki­schen Au­to­mo­bil­in­dus­trie, die frei­lich deut­schen, fran­zö­si­schen und ko­rea­ni­schen Ei­gen­tü­mern ge­hört. Und in Po­len hal­ten fast 2 Mil­lio­nen Ukrai­ner gan­ze Wirt­schafts­zwei­ge am Lau­fen. Die in deut­schen Brei­ten kol­por­tier­te Er­zäh­lung, dass War­schau kei­ne Mi­gran­ten auf­neh­men wür­de, ist schlicht falsch. Die pol­ni­sche Re­gie­rung be­treibt ih­re ei­ge­ne Ein­wan­de­rungs­po­li­tik.

„Kri­tik der Mi­gra­ti­on“ – Ös­ter­rei­chi­scher His­to­ri­ker Han­nes Hof­bau­er im Ge­spräch (26:47 min)

Der UN-Mi­gra­ti­ons­pakt steht all die­sen Ent­wick­lun­gen vor­be­halt­los po­si­tiv, ja af­fir­ma­tiv ge­gen­über. Mi­gra­ti­on ist gut. Punk­tum. Dort, wo an­satz­wei­se von „nach­tei­li­gen Trieb­kräf­ten und struk­tu­rel­len Fak­to­ren“ die Re­de ist, bei­spiels­wei­se un­ter Punkt 16.2, „die Men­schen da­zu be­we­gen, ih­re Her­kunfts­län­der zu ver­las­sen“ wird tun­lichst ver­mie­den, die­se beim Na­men zu be­nen­nen.

Das Wort „Krieg“ kommt auf 34 Sei­ten kein ein­zi­ges Mal vor. For­de­rung nach not­wen­di­gem so­zia­lem Aus­gleich? Fehl­an­zei­ge. For­de­rung nach wün­schens­wer­ter re­gio­na­ler An­glei­chung? Fehl­an­zei­ge. Push- und Pull-Fak­to­ren von Mas­sen­wan­de­run­gen wer­den nicht be­nannt. Oh­ne al­ler­dings die Ur­sa­chen zu be­nen­nen, die Men­schen da­zu zwingt, sich in die Frem­de auf­zu­ma­chen, friert man den Ist-Zu­stand ein, schlim­mer noch: man le­gi­ti­miert ihn.

Da­mit er­klärt sich auch, war­um der UN-Mi­gra­ti­ons­pakt bei welt­of­fen agie­ren­den Ka­pi­tal­frak­tio­nen, ih­rem li­be­ra­len po­li­ti­schen und me­dia­len Um­feld so be­liebt ist und von die­sen so ve­he­ment ver­tei­digt wird. Die gän­gi­ge pos­tu­lier­te Welt­of­fen­heit über­setzt sich im li­be­ra­len Dis­kurs als Durch­set­zung der vier ka­pi­ta­lis­ti­schen Frei­hei­ten: dem un­ge­hin­der­ten Ver­kehr von Ka­pi­tal, Wa­ren, Dienst­leis­tun­gen und Ar­beits­kraft.

Öko­no­mi­sche Kon­ver­genz bei gleich­zei­ti­ger so­zia­ler Di­ver­genz bil­det das Grund­mus­ter un­se­res Wirt­schafts­sys­tems so­wohl in­ner­halb der Eu­ro­päi­schen Uni­on als auch zu­neh­mend welt­weit. Der Mensch bleibt da­bei auf der Stre­cke. Er wird zum Pro­duk­ti­ons­fak­tor, der eben bil­li­ger in Bul­ga­ri­en er­zeugt und aus­ge­bil­det und pro­fi­ta­bler in Deutsch­land ver­wer­tet wer­den kann.

Die­sem Sys­tem Ein­halt zu ge­bie­ten, hat sich die po­li­ti­sche Lin­ke der­einst auf die Fah­nen ge­schrie­ben. In der Fra­ge der Mi­gra­ti­on ist sie — wie in vie­len an­de­ren Fra­gen auch — al­ler­dings schwer vom Kurs ab­ge­kom­men. Sie ver­wech­selt das oft be­kla­gens­wer­te Schick­sal des Mi­gran­ten mit der Funk­ti­on der Mi­gra­ti­on und hat da­her be­gon­nen, Mi­gra­ti­on po­si­tiv zu fin­den, ob­wohl sie Un­gleich­heit zum Aus­druck bringt. Ver­packt in ein UN-Do­ku­ment kämp­fen nun wei­te Tei­le von ihr um den Er­halt die­ser welt­wei­ten Schief­la­ge, was ei­nem po­li­ti­schen Of­fen­ba­rungs­eid gleich­kommt.

Am En­de spricht der UN-Mi­gra­ti­ons­pakt Klar­text. Dort, wo es um die „Im­ple­men­tie­rung“ geht, al­so ums Geld, wird er ehr­lich. Weil nicht er­war­tet wer­den kann, dass die UNO sei­ne Um­set­zung fi­nan­ziert, taucht die Idee auf, dass es die Pro­fi­teu­re der „si­che­ren, ge­ord­ne­ten und re­gu­lä­ren Mi­gra­ti­on“ tun sol­len. Das Fi­nanz­or­gan des Mi­gra­ti­ons­pak­tes soll für „re­le­van­te Sta­ke­hol­der, den pri­va­ten Sek­tor und Stif­tun­gen von Phil­an­tro­pen“, so Punkt 43, of­fen sein. Ge­or­ge Soros und Kon­sor­ten dür­fen al­so ran an die Mi­gra­ti­ons­fra­ge, ge­deckt von obers­ter Stel­le, den Ver­ein­ten Na­tio­nen.

Quel­len und An­mer­kun­gen:
(1) Wie Mi­gra­ti­on zu ei­nem drei­fa­chen Ge­winn wird (Ber­tels­mann Stif­tung)
(2) WAZ: BDI-Prä­si­dent Gril­lo: Mehr Flücht­lin­ge auf­neh­men (Pres­se­por­tal)
(3) Jean-Ar­nault Dérens/​Laurent Ges­lin, Kein Blei­ben in Ban­ja Lu­ka. Aus: Le Mon­de di­plo­ma­tique vom Ju­ni 2018, S. 8f.
(4) Na­de­em Ilahi/​Anna Ilyina/​Daria Zak­ha­ro­va, Emi­gra­ti­on Slows Eas­tern Europe’s Catch Up With the West, 20. Ju­li 2016

Au­tor:
Han­nes Hof­bau­er
, Jahr­gang 1955, stu­dier­te Wirt­schafts- und So­zi­al­ge­schich­te an der Uni­ver­si­tät Wien. Er ar­bei­tet als Pu­bli­zist und Ver­le­ger. Im Pro­me­dia-Ver­lag sind von ihm un­ter an­de­rem er­schie­nen „EU-Ost­erwei­te­rung. His­to­ri­sche Ba­sis – öko­no­mi­sche Trieb­kräf­te – so­zia­le Fol­gen“, „Dik­ta­tur des Ka­pi­tals. Sou­ve­rä­ni­täts­ver­lust im post­de­mo­kra­ti­schen Zeit­al­ter“ und „Feind­bild Russ­land. Ge­schich­te ei­ner Dä­mo­ni­sie­rung“.

Li­zenz:
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Wei­te­re Links:
UN be­rei­ten welt­wei­te Pak­te zu Flücht­lin­gen und Mi­gra­ti­on vor (Hei­se)
Mas­sen­wan­de­run­gen ha­ben [in Her­kunfts- wie Ziel­län­dern] ne­ga­ti­ve Ef­fek­te (Hei­se)
Mer­kel hat de fac­to die Dub­lin-Ab­kom­men au­ßer Kraft ge­setzt (Hei­se)
UN-Mi­gra­ti­ons­pakt ver­wal­tet welt­wei­te Un­gleich­heit (Hei­se)
Mi­gra­ti­ons­ab­kom­men als letz­ter Sarg­na­gel für die lin­ken Par­tei­en (nor­bert­hae­ring)
Der per­fek­te Sturm – Mi­gra­ti­on und Flucht (Zwie­denk)
Ethi­scher Rea­lis­mus und Mi­gra­ti­on (Zwie­denk)
Gren­zen­lo­se Mi­gra­ti­on und die Er­hö­hung der Pro­fi­tra­te (Ken­FM)
Ein­la­dung an al­le: … Ste­fan Aust zum Mi­gra­ti­ons­pakt (JFB)
Die Kri­se des Sys­tems (Ru­bi­kon)

Glo­ba­ler Mi­gra­ti­ons­pakt (Ent­wurfs­text deutsch) (Er­satz­link)
Glo­bal Com­pact for Mi­gra­ti­on (Ent­wurfs­text eng­lisch) (Er­satz­link)
Glo­ba­ler Pakt für Flücht­lin­ge (Ent­wurfs­text deutsch) (Er­satz­link)
Glo­bal Com­pact on Re­fu­gees (Ent­wurfs­text eng­lisch) (Er­satz­link)

Ti­tel­bild:
Ale­jo­r­at­to99 [CC BY-SA 4.0], from Wi­ki­me­dia Com­mons

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