Frie­de den Hüt­ten! Krieg den Pa­läs­ten!

Der Hes­si­sche Land­bo­te – von Ge­org Büch­ner, Darm­stadt, Ju­li 1834. 

Der Hes­si­sche Land­bo­te ist ei­ne im Jahr 1834 von Ge­org Büch­ner ver­fass­te und von Fried­rich Lud­wig Wei­dig über­ar­bei­te­te und ver­öf­fent­lich­te acht­sei­ti­ge Flug­schrift ge­gen Gier und Ge­ba­ren der Ob­rig­keit. Die ers­ten Ex­em­pla­re der Flug­schrift wur­den in der Nacht zum 31. Ju­li 1834 heim­lich im Groß­her­zog­tum Hes­sen- Darm­stadt ver­teilt.

Nach­fol­gend ver­öf­fent­li­chen wir den Text im Wort­laut. Par­al­le­len zur heu­ti­gen Zeit sind we­der be­ab­sich­tigt noch zu­fäl­lig, son­dern ge­mäß der mensch­li­chen Na­tur un­ver­meid­lich:

Der Hes­si­sche Land­bo­te

Ers­te Bot­schaft

Darm­stadt, im Ju­li 1834

Vor­be­richt

Die­ses Blatt soll dem hes­si­schen Lan­de die Wahr­heit mel­den, aber wer die Wahr­heit sagt, wird ge­henkt; ja so­gar der, wel­cher die Wahr­heit liest, wird durch mein­ei­di­ge Rich­ter viel­leicht ge­straft. Dar­um ha­ben die, wel­chen dies Blatt zu­kommt, fol­gen­des zu be­ob­ach­ten:

1. Sie müs­sen das Blatt sorg­fäl­tig au­ßer­halb ih­res Hau­ses vor der Po­li­zei ver­wah­ren;

2. sie dür­fen es nur an treue Freun­de mit­tei­len;

3. de­nen, wel­chen sie nicht trau­en wie sich selbst, dür­fen sie es nur heim­lich hin­le­gen;

4. wür­de das Blatt den­noch bei ei­nem ge­fun­den, der es ge­le­sen hat, so muß er ge­ste­hen, daß er es eben dem Kreis­rat ha­be brin­gen wol­len;

5. wer das Blatt nicht ge­le­sen hat, wenn man es bei ihm fin­det, der ist na­tür­lich oh­ne Schuld.

Frie­de den Hüt­ten! Krieg den Pa­läs­ten!

Im Jahr 1834 sieht es aus, als wür­de die Bi­bel Lü­gen ge­straft. Es sieht aus, als hät­te Gott die Bau­ern und Hand­wer­ker am 5ten Ta­ge, und die Fürs­ten und Vor­neh­men am 6ten ge­macht, und als hät­te der Herr zu die­sen ge­sagt: Herr­schet über al­les Ge­tier, das auf Er­den kriecht, und hät­te die Bau­ern und Bür­ger zum Ge­würm ge­zählt. Das Le­ben der Vor­neh­men ist ein lan­ger Sonn­tag, sie woh­nen in schö­nen Häu­sern, sie tra­gen zier­li­che Klei­der, sie ha­ben feis­te Ge­sich­ter und re­den ei­ne eig­ne Spra­che; das Volk aber liegt vor ih­nen wie Dün­ger auf dem Acker. Der Bau­er geht hin­ter dem Pflug und treibt ihn mit den Och­sen am Pflug, er nimmt das Korn und läßt ihm die Stop­peln. Das Le­ben des Bau­ern ist ein lan­ger Werk­tag; Frem­de ver­zeh­ren sei­ne Äcker vor sei­nen Au­gen, sein Leib ist ei­ne Schwie­le, sein Schweiß ist das Salz auf dem Ti­sche des Vor­neh­men.

Im Groß­her­zog­tum Hes­sen sind 718,373 Ein­woh­ner, die ge­ben an den Staat jähr­lich an 6,363,364 Gul­den, als

1) Di­rek­te Steu­ern 2,128,131 fl.
2) In­di­rek­te Steu­ern 2,478,264 fl.
3) Do­mä­nen 1,547,394 fl.
4) Re­ga­li­en 46,938 fl.
5) Geld­stra­fen 98,511 fl.
6) Ver­schie­de­ne Quel­len               64,198 fl.
6,363,363 fl.

Dies Geld ist der Blut­zehn­te, der von dem Leib des Vol­kes ge­nom­men wird. An 700,000 Men­schen schwit­zen, stöh­nen und hun­gern da­für. Im Na­men des Staa­tes wird es er­preßt, die Pres­ser be­ru­fen sich auf die Re­gie­rung und die Re­gie­rung sagt, das sei nö­tig die Ord­nung im Staat zu er­hal­ten. was ist denn nun das für ge­wal­ti­ges Ding: der Staat? Wohnt ei­ne An­zahl Men­schen in ei­nem Land und es sind Ver­ord­nun­gen oder Ge­set­ze vor­han­den, nach de­nen je­der sich rich­ten muß, so sagt man, sie bil­den ei­nen Staat. Der Staat al­so sind Al­le; die Ord­ner im Staat sind die Ge­set­ze, durch wel­che das Wohl Al­ler ge­si­chert wird, und die aus dem Wohl Al­ler her­vor ge­hen sol­len. – Seht nun, was man in dem Groß­her­zog­tum aus dem Staat ge­macht hat; seht was es heißt: die Ord­nung im Staa­te er­hal­ten! 700,000 Men­schen be­zah­len da­für 6 Mil­lio­nen, d.h. sie wer­den zu Acker­gäu­len und Pflugs­tie­ren ge­macht, da­mit sie in Ord­nung le­ben. In Ord­nung le­ben heißt hun­gern und ge­schun­den wer­den.

Wer sind denn die, wel­che die­se Ord­nung ge­macht ha­ben, und die wa­chen, die­se Ord­nung zu er­hal­ten? Das ist die Groß­her­zog­li­che Re­gie­rung. Die Re­gie­rung wird ge­bil­det von dem Groß­her­zog und sei­nen obers­ten Be­am­ten. Die an­de­ren Be­am­ten sind Män­ner, die von der Re­gie­rung be­ru­fen wer­den, um je­ne Ord­nung in kraft zu er­hal­ten. Ih­re An­zahl ist Le­gi­on: Staats­rä­te und Re­gie­rungs­rä­te, Land­rä­te und Kreis­rä­te, Geist­li­che Rä­te und Schul­rä­te, Fi­nanz­rä­te und Forsträ­te u.s.w. mit al­lem ih­rem Heer von Se­kre­tä­ren u.s.w. Das Volk ist ih­re Her­de, sie sind sei­ne Hir­ten, Mel­ker und Schin­der; sie ha­ben die Häu­te der Bau­ern an, der Raub der Ar­men ist in ih­rem Hau­se; die Trä­nen der Wit­wen und Wai­sen sind das Schmalz auf ih­ren Ge­sich­tern; sie herr­schen frei und er­mah­nen das Volk zur Knecht­schaft. Ih­nen gebt ihr 6,000,000 fl. Ab­ga­ben; sie ha­ben da­für die Mü­he, euch zu re­gie­ren; d.h. sich von euch füt­tern zu las­sen und euch eu­re Men­schen- und Bür­ger­rech­te zu rau­ben. Se­het was die Ern­te eu­res Schwei­ßes ist.

Für das Mi­nis­te­ri­um des In­nern und der Ge­rech­tig­keits­pfle­ge wer­den be­zahlt 1,110,607 Gul­den. Da­für habt ihr ei­nen Wust von Ge­set­zen, zu­sam­men­ge­häuft aus will­kür­li­chen Ver­ord­nun­gen al­ler Jahr­hun­der­te, meist ge­schrie­ben in ei­ner frem­den Spra­che. Der Un­sinn al­ler vo­ri­gen Ge­schlech­ter hat sich dar­in auf euch ver­erbt, der Druck, un­ter dem sie er­la­gen, sich auf euch fort­ge­wälzt. Das Ge­setz ist das Ei­gen­tum ei­ner un­be­deu­ten­den Klas­se von Vor­neh­men und Ge­lehr­ten, die sich durch ihr eig­nes Mach­werk die Herr­schaft zu­spricht. Die­se Ge­rech­tig­keit ist nur ein Mit­tel, euch in Ord­nung zu hal­ten, da­mit man euch be­que­mer schin­de; sie spricht nach Ge­set­zen, die ihr nicht ver­steht, nach Grund­sät­zen, von de­nen ihr nichts wißt, Ur­tei­le, von de­nen ihr nichts be­greift. Un­be­stech­lich ist sie, weil sie sich ge­ra­de teu­er ge­nug be­zah­len läßt, um kei­ne Be­stechung zu brau­chen. Aber die meis­ten ih­rer Die­ner sind der Re­gie­rung mit Haut und Haar ver­kauft. Ih­re Ru­he­stüh­le ste­hen auf ei­nem Geld­hau­fen von 461,373 Gul­den (so viel be­tra­gen die Aus­ga­ben für die Ge­richts­hö­fe und die Kri­mi­nal­kos­ten). Die Frä­cke, Stö­cke und Sä­bel ih­rer un­ver­letz­li­chen Die­ner sind mit dem Sil­ber von 197,502 Gul­den be­schla­gen (so viel kos­tet die Po­li­zei über­haupt, die Gen­dar­me­rie u.s.w.). Die Jus­tiz ist in Deutsch­land seit Jahr­hun­der­ten die Hu­re der deut­schen Fürs­ten. Je­den Schritt zu ihr müßt ihr mit Sil­ber pflas­tern, und mit Ar­mut und Er­nied­ri­gung er­kauft ihr ih­re Sprü­che. Denkt an das Stem­pel­pa­pier, denkt an eu­er Bü­cken in den Amts­stu­ben, und eu­er Wa­che­ste­hen vor den­sel­ben. Denkt an eu­re Spor­teln für Schrei­ber und Ge­richts­die­ner. Ihr dürft eu­ren Nach­barn ver­kla­gen, der euch ei­ne Kar­tof­fel stiehlt; aber klagt ein­mal über den Dieb­stahl, der von Staats­we­gen un­ter dem Na­men von Ab­ga­be und Steu­ern je­den Tag an eu­rem Ei­gen­tum be­gan­gen wird, da­mit ei­ne Le­gi­on un­nüt­zer Be­am­ten sich von eu­rem Schwei­ße mäs­ten: klagt ein­mal, daß ihr der Will­kür ei­ni­ger Fett­wäns­te über­las­sen seid und das die­se Will­kür Ge­setz heißt, klagt, daß ihr die Acker­gäu­le des Staa­tes seid, klagt über eu­re ver­lor­ne Men­schen­rech­te: Wo sind Ge­richts­hö­fe, die eu­re Kla­ge an­neh­men, wo die Rich­ter, die rechtsprä­chen? – Die Ket­ten eu­rer Vo­gels­ber­ger Mit­bür­ger, die man nach Rok­ken­burg schlepp­te, wer­den euch Ant­wort ge­ben.

Und will end­lich ein Rich­ter oder ein and­rer Be­am­te von den We­ni­gen, wel­chen das recht und das ge­mei­ne Wohl lie­ber ist, als ihr Bauch und der Mam­mon, ein Volks­rat und kein Volks­schin­der sein, so wird er von den obers­ten Rä­ten des Fürs­ten sel­ber ge­schun­den.

Für das Mi­nis­te­ri­um der Fi­nan­zen 1,551,502 fl.

Da­mit wer­den die Fi­nanz­rä­te, Ober­ein­neh­mer, Steu­er­bo­ten, die Un­ter­er­he­ber be­sol­det. Da­für wird der Er­trag eu­rer Äcker be­rech­net und eu­re Köp­fe ge­zählt. Der Bo­den un­ter eu­ren Fü­ßen, der Bis­sen zwi­schen eu­ren Zäh­nen ist be­steu­ert. Da­für sit­zen die Her­ren in Frä­cken bei­sam­men und das Volk steht nackt und ge­bückt vor ih­nen, sie le­gen die Hän­de an sei­ne Len­den und Schul­tern und rech­nen aus, wie viel es noch tra­gen kann, und wenn sie barm­her­zig sind, so ge­schieht es nur, wie man ein Vieh schont, das man nicht so sehr an­grei­fen will.

Für das Mi­li­tär wird be­zahlt 914,820 Gul­den.

Da­für krie­gen eu­re Söh­ne ei­nen bun­ten Rock auf den Leib, ein Ge­wehr oder ei­ne Trom­mel auf die Schul­ter und dür­fen je­den Herbst ein­mal blind schie­ßen, und er­zäh­len, wie die Her­ren vom Hof, und die un­ge­ra­te­nen Bu­ben vom Adel al­len Kin­dern ehr­li­cher Leu­te vor­ge­hen, und mit ih­nen in den brei­ten Stra­ßen der Städ­te her­um­zie­hen mit Trom­meln und Trom­pe­ten. Für je­ne 900,000 Gul­den müs­sen eu­re Söh­ne den Ty­ran­nen schwö­ren und Wa­che hal­ten an ih­ren Pa­läs­ten. Mit ih­ren Trom­meln über­täu­ben sie eu­re Seuf­zer, mit ih­ren Kol­ben zer­schmet­tern sie euch den Schä­del, wenn ihr zu den­ken wagt, daß ihr freie Men­schen seid. Sie sind die ge­setz­li­chen Mör­der, wel­che die ge­setz­li­chen Räu­ber schüt­zen, denkt an Sö­del! Eu­re Brü­der, eu­re Kin­der wa­ren dort Brü­der- und Va­ter­mör­der.

Für die Pen­sio­nen 480,000 Gul­den.

Da­für wer­den die Be­am­ten aufs Pols­ter ge­legt, wenn sie ei­ne ge­wis­se Zeit dem Staa­te treu ge­dient ha­ben, d.h. wenn sie eif­ri­ge Hand­lan­ger bei der re­gel­mä­ßig ein­ge­rich­te­ten Schin­de­rei ge­we­sen, die man Ord­nung und Ge­setz heißt.

Für das Staats­mi­nis­te­ri­um und den Staats­rat 174,600 Gul­den.

Die größ­ten Schur­ken ste­hen wohl jetzt al­ler­wärts in Deutsch­land den Fürs­ten am nächs­ten, we­nigs­tens im Groß­her­zog­tum: Kommt ja ein ehr­li­cher Mann in den Staats­rat, so wird er aus­ge­sto­ßen. Könn­te aber auch ein ehr­li­cher Mann jet­zo Mi­nis­ter sein oder blei­ben, so wä­re er, wie die Sa­chen ste­hen in Deutsch­land, nur ei­ne Draht­pup­pe, an der die fürst­li­che Pup­pe zieht und an dem fürst­li­chen Po­panz zieht wie­der ein Kam­mer­die­ner oder ein Kut­scher oder sei­ne Frau und ihr Günst­ling, oder sein Halb­bru­der – oder al­le zu­sam­men. In Deutsch­land steht es jetzt, wie der Pro­phet Mi­cha schreibt, Kap. 7, V. 3 und 4: »Die Ge­wal­ti­gen ra­ten nach ih­rem Mut­wil­len, Scha­den zu tun, und dre­hen es, wie sie es wol­len. Der Bes­te un­ter ih­nen ist wie ein Dorn, und der Red­lichs­te wie ei­ne He­cke.« Ihr müßt die Dör­ner und He­cken teu­er be­zah­len; denn ihr müßt fer­ner für das groß­her­zog­li­che Haus und den Hof­staat 827,772 Gul­den be­zah­len.

Die An­stal­ten, die Leu­te, von de­nen ich bis jetzt ge­spro­chen, sind nur Werk­zeu­ge, sind nur Die­ner. Sie tun nichts in ih­rem Na­men, un­ter der Er­nen­nung zu ih­rem Amt, steht ein L. das be­deu­tet Lud­wig von Got­tes Gna­den und sie spre­chen mit Ehr­furcht: »im Na­men des Groß­her­zogs.« Dies ist ihr Feld­ge­schrei, wenn sie eu­er Ge­rät ver­stei­gern, eu­er Vieh weg­trei­ben, euch in den Ker­ker wer­fen. Im Na­men des Groß­her­zogs sa­gen sie, und der Mensch, den sie so nen­nen, heißt: un­ver­letz­lich, hei­lig, sou­ve­rän, kö­nig­li­che Ho­heit. Aber tre­tet zu dem Men­schen­kin­de und blickt durch sei­nen Fürs­ten­man­tel. Es ißt, wenn es hun­gert, und schläft wenn sein Au­ge dun­kel wird. Se­het, es kroch so nackt und weich in die Welt, wie ihr und wird so hart und steif hin­aus­ge­tra­gen, wie ihr, und doch hat es sei­nen Fuß auf eu­rem Na­cken, hat 700,000 Men­schen an sei­nem Pflug, hat Mi­nis­ter die ver­ant­wort­lich sind, für da, was es tut, Ge­walt über Ei­gen­tum durch die Steu­ern, die es aus­schreibt, über eu­er Le­ben, durch die Ge­set­ze, die es macht, es hat ad­li­che Herrn und Da­men um sich, die man Hof­staat heißt, und sei­ne gött­li­che Ge­walt ver­erbt sich auf sei­ne Kin­der mit Wei­bern, wel­che aus eben­so über­mensch­li­chen Ge­schlech­tern sind.

We­he über euch Göt­zen­die­ner! – Ihr seid wie die Hei­den, die das Kro­ko­dil an­be­ten, von dem sie zer­ris­sen wer­den. Ihr setzt ihm ei­ne Kro­ne auf, aber es ist ei­ne Dor­nen­kro­ne, die ihr euch selbst in den Kopf drückt; ihr gebt ihm ein Zep­ter in die Hand, aber es ist ei­ne Ru­te, wo­mit ihr ge­züch­tigt wer­det; ihr setzt ihn auf eu­ren Thron, aber es ist ein Mar­ter­stuhl für euch und eu­re Kin­der. Der Fürst ist der Kopf des Blu­ti­gels, der über euch hin­weg­kriecht, die Mi­nis­ter sind sei­ne Zäh­ne und die Be­am­ten sein Schwanz. Die hung­ri­gen Mä­gen al­ler vor­neh­men Her­ren, de­nen er die ho­hen Stel­len ver­teilt, sind Schröpf­köp­fe, die er dem Lan­de setzt. Das L. was un­ter sei­nen Ver­ord­nun­gen steht, ist das Mal­zei­chen des Tie­res, das die Göt­zen­die­ner un­se­rer Zeit an­be­ten. Der Fürs­ten­man­tel ist der Tep­pich, auf dem sich die Her­ren und Da­men vom Adel und Ho­fe in ih­rer Geil­heit über­ein­an­der wäl­zen – mit Or­den und Bän­dern de­cken sie ih­re Ge­schwü­re und mit kost­ba­ren Ge­wän­dern be­klei­den sie ih­re aus­sät­zi­gen Lei­ber. Die Töch­ter des Vol­kes sind ih­re Mäg­de und Hu­ren, die Söh­ne des Vol­kes ih­re La­kai­en und Sol­da­ten. Geht ein­mal nach Darm­stadt und seht, wie die Her­ren sich für eu­er Geld dort lus­tig ma­chen, und er­zählt dann eu­ren hun­gern­den Wei­bern und Kin­der, daß ihr Brot an frem­den Bäu­chen herr­lich an­ge­schla­gen sei, er­zählt ih­nen von den schö­nen Klei­dern, die in ih­rem Schweiß ge­färbt, und von den zier­li­chen Bän­dern, die aus den Schwie­len ih­rer Hän­de ge­schnit­ten sind, er­zählt von den statt­li­chen Häu­sern, die aus den Kno­chen des Volks ge­baut sind; und dann kriecht in eu­re rau­chi­gen Hüt­ten und bückt euch auf eu­ren stei­nich­ten Äckern, da­mit eu­re Kin­der auch ein­mal hin­ge­hen kön­nen, wenn ein Erb­prinz mit ei­ner Erb­prin­zes­sin für ei­nen an­de­ren Erb­prin­zen Rat schaf­fen will, und durch die ge­öff­ne­ten Glas­tü­ren das Tisch­tuch se­hen, wo­von die Her­ren spei­sen und die Lam­pen rie­chen, aus de­nen man mit dem Fett der Bau­ern il­lu­mi­niert. Das al­les dul­det ihr, weil euch Schur­ken sa­gen: »die­se Re­gie­rung sei von Gott.« Die­se Re­gie­rung ist nicht von Gott, son­dern vom Va­ter der Lü­gen. Die­se deut­schen Fürs­ten sind kei­ne recht­mä­ßi­ge Ob­rig­keit, den deut­schen Kai­ser, der vor­mals vom Vol­ke frei ge­wählt wur­de, ha­ben sie seit Jahr­hun­der­ten ver­ach­tet und end­lich gar ver­ra­ten. Aus Ver­rat und Mein­eid, und nicht aus der Wahl des Vol­kes ist die Ge­walt der deut­schen Fürs­ten her­vor­ge­gan­gen, und dar­um ist ihr We­sen und Tun von Gott ver­flucht; ih­re Weis­heit ist Trug, ih­re Ge­rech­tig­keit ist Schin­de­rei. Sie zer­tre­ten das Land und zer­schla­gen die Per­son des Elen­den. Ihr läs­tert Gott, wenn ihr ei­nen die­ser Fürs­ten ei­nen Ge­salb­ten des Herrn nennt, das heißt: Gott ha­be die Teu­fel ge­salbt und zu Fürs­ten über die deut­sche Er­de ge­setzt. Deutsch­land, un­ser lie­bes Va­ter­land, ha­ben die­se Fürs­ten zer­ris­sen, den Kai­ser, den un­se­re frei­en Vor­el­tern wähl­ten, ha­ben die­se Fürs­ten ver­ra­ten und nun for­dern die­se Ver­rä­ter und Men­schen­quä­ler Treue von euch! – Doch das Reich der Fins­ter­nis neigt sich zum En­de. Über ein Klei­nes und Deutsch­land, das jetzt die Fürs­ten schin­den, wird als ein Frei­staat mit ei­ner vom Volk ge­wähl­ten Ob­rig­keit wie­der auf­er­stehn. Die hei­li­ge Schrift sagt: Ge­bet dem Kai­ser, was des Kai­sers ist. Was ist aber die­ser Fürs­ten, der Ver­rä­ter? – Das ist Teil von Ju­das!

Für die Land­stän­de 16,000 Gul­den.

Im Jahr 1789 war das Volk in Frank­reich mü­de, län­ger die Schind­mäh­re sei­nes Kö­nigs zu sein. Es er­hob sich und be­rief Män­ner, de­nen es ver­trau­te, und die Män­ner tra­ten zu­sam­men und sag­ten, ein Kö­nig sei ein Mensch wie ein an­de­rer auch, er sei nur der ers­te Die­ner im Staat, er müs­se sich vor dem Volk ver­ant­wor­ten und wenn er sein Amt schlecht ver­wal­te, kön­ne er zur Stra­fe ge­zo­gen wer­den. Dann er­klär­ten sie die Rech­te des Men­schen: »Kei­ner erbst vor dem an­de­ren mit der Ge­burt ein recht oder ei­nen Ti­tel, kei­ner er­wirbt mit dem Ei­gen­tum ein Recht vor dem an­de­ren. Die höchs­te Ge­walt ist in dem Wil­len Al­ler oder der Mehr­zahl. Die­ser Wil­le ist das Ge­setz, er tut sich kund durch die Land­stän­de oder die Ver­tre­ter des Volks, sie wer­den von Al­len ge­wählt und Je­der kann ge­wählt wer­den; die­se Ge­wähl­ten spre­chen den Wil­len ih­rer Wäh­ler aus, und so ent­spricht der Wil­le der Mehr­zahl un­ter ih­nen dem Wil­len der Mehr­zahl un­ter dem Vol­ke; der Kö­nig hat nur für die Aus­übung der von ih­nen er­las­se­nen Ge­set­ze zu sor­gen.« Der Kö­nig Schwur die­ser Ver­fas­sung treu zu sein, er wur­de aber mein­ei­dig an dem Vol­ke und das Volk rich­te­te ihn, wie es ei­nem Ver­rä­ter ge­ziemt. Dann schaff­ten die Fran­zo­sen die erb­li­che Kö­nigs­wür­de ab und wähl­ten frei ei­ne neue Ob­rig­keit, wo­zu je­des Volk nach der Ver­nunft und der hei­li­gen Schrift das Recht hat. Die Män­ner, die über die Voll­zie­hung der Ge­set­ze wa­chen soll­ten, wur­den von der Ver­samm­lung der Volks­ver­tre­ter er­nannt, sie bil­de­ten die neue Ob­rig­keit. So wa­ren Re­gie­rung und Ge­setz­ge­ber vom Volk ge­wählt und Frank­reich war ein Frei­staat.

Die üb­ri­gen Kö­ni­ge aber ent­setz­ten sich vor der Ge­walt des fran­zö­si­schen Vol­kes, sie dach­ten, sie könn­ten al­le über der ers­ten Kö­nigs­lei­che den Hals bre­chen und ihr miß­han­del­ten Un­ter­ta­nen möch­ten bei dem Frei­heits­ruf der Fran­ken er­wa­chen. Mit ge­wal­ti­gem Kriegs­ge­rät und rie­si­gem Zeug stürz­ten sie von al­len Sei­ten auf Frank­reich und ein gro­ßer Teil der Ad­li­gen und Vor­neh­men im Lan­de stand auf und schlug sich zu dem feind. Da er­grimm­te das Volk und er­hob sich in sei­ner Kraft. Es er­drück­te die Ver­rä­ter und zer­schmet­ter­te die Söld­ner der Kö­ni­ge. Die jun­ge Frei­heit wuchs im Blut der Ty­ran­nen und vor ih­rer Stim­me beb­ten die Thro­ne und jauchz­ten die Völ­ker. Aber die Fran­zo­sen ver­kauf­ten selbst ih­re jun­ge Frei­heit für den Ruhm, der ih­nen Na­po­le­on dar­bot, und er­ho­ben ihn auf den Kai­ser­thron. – Da ließ der All­mäch­ti­ge das Heer des Kai­sers in Ruß­land er­frie­ren und züch­tig­te Frank­reich durch die Knu­te der Ko­sa­cken und gab den Fran­zo­sen die dick­wans­ti­gen Bour­bo­nen wie­der zu Kö­ni­gen, da­mit Frank­reich sich be­keh­re vom Göt­zen­dienst der erb­li­chen Kö­nigs­herr­schaft und dem Got­te die­ne, der die Men­schen frei und gleich ge­schaf­fen. Aber als die Zeit sei­ner Stra­fe ver­flos­sen war, und tap­fe­re Män­ner im Ju­li­us 1830 den mein­ei­di­gen Kö­nig Karl den Zehn­ten aus dem Lan­de jag­ten, da wen­de­te den­noch das be­frei­te Frank­reich sich aber­mals zur hal­berbli­chen Kö­nigs­herr­schaft und band sich in dem Heuch­ler Lou­is Phil­ipp ei­ne neue Zucht­ru­te auf. In Deutsch­land und ganz Eu­ro­pa aber war gro­ße Freu­de als der zehn­te Karl vom Thron ge­stürzt ward, und die un­ter­drück­ten deut­schen Län­der rich­te­ten sich zum Kampf für die Frei­heit. Da rat­schlag­ten die Fürs­ten, wie sie den Grimm des Vol­kes ent­ge­hen soll­ten und die lis­ti­gen un­ter ih­nen sag­ten: Laßt uns ei­nen Teil un­se­rer Ge­walt ab­ge­ben, daß wir das Üb­ri­ge be­hal­ten. Und sie tra­ten vor das Volk und spra­chen: Wir wol­len euch die Frei­heit schen­ken um die ihr kämp­fen wollt. – Und zit­ternd vor Furcht war­fen sie ei­ni­ge Bro­cken hin und spra­chen von ih­rer Gna­de. das Volk trau­te ih­nen lei­der und leg­te sich zur Ru­he. – Und so ward Deutsch­land be­tro­gen wie Frank­reich.

Denn was sind die Ver­fas­sun­gen in Deutsch­land? Nichts als lee­res Stroh, wor­aus die Fürs­ten die Kör­ner für sich her­aus­ge­klopft ha­ben. Was sind un­se­re Land­ta­ge? Nichts als lang­sa­me Fuhr­wer­ke, die man ein­mal oder zwei­mal wohl der Raub­gier der Fürs­ten und ih­rer Mi­nis­ter in den Weg schie­ben, wor­aus man aber nim­mer­mehr ei­ne fes­te Burg für die deut­sche Frei­heit bau­en kann. Was sind un­se­re Wahl­ge­set­ze? Nichts als Ver­let­zun­gen der Bür­ger- und Men­schen­rech­te der meis­ten Deut­schen. Denkt an das Wahl­ge­setz im Groß­her­zog­tum, wor­nach kei­ner ge­wählt wer­den kann, der nicht hoch be­gü­tert ist, wie recht­schaf­fen und gut­ge­sinnt er auch sei, wohl aber der Grol­mann, der euch um die zwei Mil­lio­nen be­steh­len woll­te. Denkt an die Ver­fas­sung des Groß­her­zog­tums. – Nach den Ar­ti­keln der­sel­ben ist der Groß­her­zog un­ver­letz­lich, hei­lig und un­ver­ant­wort­lich. Sei­ne Wür­de ist erb­lich in sei­ner Fa­mi­lie, er hat das recht Krieg zu füh­ren und aus­schließ­li­che Ver­fü­gung über das Mi­li­tär. Er be­ruft die Land­stän­de, ver­tagt sie oder löst sie auf. Die Stän­de dür­fen kei­nen Ge­setz-Vor­schlag ma­chen, son­dern sie müs­sen um das Ge­setz bit­ten, und dem Gut­dün­ken des Fürs­ten bleibt es un­be­dingt über­las­sen, es zu ge­ben oder zu ver­wei­gern. Er bleibt im Be­sitz ei­ner fast un­um­schränk­ten Ge­walt, nur darf er kei­ne neu­en Ge­set­ze ma­chen und kei­ne neu­en Steu­ern aus­schrei­ben oh­ne Zu­stim­mung der Stän­de. Aber teils kehrt er sich nicht an die­se Zu­stim­mung, teils ge­nü­gen ihm die al­ten Ge­set­ze, die das Werk der Fürs­ten­ge­walt sind, und er be­darf dar­um kei­ner neu­en Ge­set­ze. Ei­ne sol­che Ver­fas­sung ist ein elend jäm­mer­lich Ding. Was ist von Stän­den zu er­war­ten, die an ei­ne sol­che Ver­fas­sung ge­bun­den sind? Wenn un­ter den Ge­wähl­ten auch kei­ne Volks­ver­rä­ter und fei­ge Mem­men wä­ren, wenn sie aus lau­ter ent­schlos­se­nen Volks­freun­den be­stün­den?! Was ist von Stän­den zu er­war­ten, die kaum die elen­den Fetz en ei­ner arm­se­li­gen Ver­fas­sung zu ver­tei­di­gen ver­mö­gen! – Der ein­zi­ge Wi­der­stand, den sie zu leis­ten ver­moch­ten, war die Ver­wei­ge­rung der zwei Mil­lio­nen Gul­den, die sich der Groß­her­zog von dem über­schul­de­tem Vol­ke woll­te schen­ken las­sen zu Be­zah­lung sei­ner Schul­den. Hät­ten aber auch die Land­stän­de des Groß­her­zog­tums ge­nü­gen­de Rech­te, und hät­te das Groß­her­zog­tum, aber nur das Groß­her­zog­tum al­lein, ei­ne wehr­haf­te Ver­fas­sung, so wür­de die Herr­lich­keit doch bald zu En­de sein. Die Raub­ge­i­er in Wien und Ber­lin wür­den ih­re Hen­kers­kral­len aus­stre­cken und die klei­ne Frei­heit mit Rumpf und Stumpf aus­rot­ten. Das gan­ze deut­sche Volk muß sich die Frei­heit er­rin­gen. Und die­se Zeit, ge­lieb­te Mit­bür­ger, ist nicht fer­ne. – Der Herr hat das schö­ne deut­sche Land, das vie­le Jahr­hun­der­te das herr­lichs­te Reich der Er­de war, in die Hän­de der frem­den und ein­hei­mi­schen Schin­der ge­ge­ben, weil das Herz des deut­schen Vol­kes von der Frei­heit und Gleich­heit sei­ner Vor­el­tern und von der Furcht des Herrn ab­ge­fal­len war, weil ihr dem Göt­zen­diens­te der vie­len Herr­lein, Klein­her­zo­ge und Däum­lings-Kö­ni­ge euch er­ge­ben hat­tet.

Der Herr, der den Ste­cken des frem­den Trei­bers Na­po­le­on zer­bro­chen hat, wird auch die Göt­zen­bil­der un­se­rer ein­hei­mi­schen Ty­ran­nen zer­bre­chen durch die Hän­de des Vol­kes. Wohl glän­zen die­se Göt­zen­bil­der von Gold und Edel­stei­nen, von Or­den und Eh­ren­zei­chen, aber in ih­rem In­nern stirbt der Wurm nicht und ih­re Fü­ße sind von Lehm. – Gott wird euch Kraft ge­ben ih­re Fü­ße zu zer­schmei­ßen, so­bald ihr euch be­keh­ret von dem Irr­tum eu­res Wan­dels und die Wahr­heit er­ken­net: »daß nur Ein Gott ist und kei­ne Göt­ter ne­ben ihm, die sich Ho­hei­ten und Al­ler­höchs­te, hei­lig und un­ver­ant­wort­lich nen­nen las­sen, daß Gott al­le Men­schen frei und gleich in ih­ren Rech­ten schuf und daß kei­ne Ob­rig­keit von Gott zum Se­gen ver­ord­net ist, als die, wel­che auf das Ver­trau­en des Vol­kes sich grün­det und vom Vol­ke aus­drück­lich oder still­schwei­gend er­wählt ist; daß ge­gen die Ob­rig­keit, die Ge­walt, aber kein recht über ein Volk hat, nur al­so von Gott ist, wie der Teu­fel auch von Gott ist, und daß der Ge­hor­sam ge­gen ei­ne sol­che Teu­fels-Ob­rig­keit nur so lan­ge gilt, bis ih­re Teu­fels­ge­walt ge­bro­chen wer­den kann; – daß der Gott, der ein Volk durch sei­ne Spra­che zu Ei­nem Lei­be ver­ei­nig­te, die Ge­wal­ti­gen, die es zer­flei­schen und vier­tei­len, oder gar in drei­ßig Stü­cke zer­rei­ßen, als Volks­mör­der und Ty­ran­nen hier zeit­lich und dort ewig­lich stra­fen wird, denn die Schrift sagt: was Gott ver­ei­nigt hat, soll der Mensch nicht tren­nen; und daß der All­mäch­ti­ge, der aus der Ein­öde ein Pa­ra­dies schaf­fen kann, auch ein Land des Jam­mers und des Elends wie­der in ein Pa­ra­dies um­schaf­fen kann, wie un­ser teu­er­wer­tes Deutsch­land war, bis sei­ne Fürs­ten es zer­fleisch­ten und schun­den.«

Weil das deut­sche Reich morsch und faul war, und die Deut­schen von Gott und von der Frei­heit ab­ge­fal­len wa­ren, hat Gott das reich zu Trüm­mern ge­hen las­sen, um es zu ei­nem Frei­staat zu ver­jün­gen. Er hat ei­ne Zeit­lang »den Sa­tans-En­geln« Ge­walt ge­ge­ben, daß sie Deutsch­land mit Fäus­ten schlü­gen, er hat den »Ge­wal­ti­gen und Fürs­ten, die in der Fins­ter­nis herr­schen, den bö­sen Geis­tern un­ter dem Him­mel« (Ephes. 6), Ge­walt ge­ge­ben, daß sie die Bür­ger und Bau­ern pei­nig­ten und ihr Blut aus­saug­ten und ih­ren Mut­wil­len trie­ben mit Al­len, die Recht und Frei­heit mehr lie­ben als Un­recht und Knecht­schaft. – Aber ihr Maß ist voll!

Se­het an das von Gott ge­zeich­ne­te Scheu­sal, den Kö­nig Lud­wig von Bai­ern, den Got­tes­läs­te­rer, der red­li­che Män­ner vor sei­nem Bil­de nie­der­zu­kni­en zwingt, und die, wel­che die Wahr­heit be­zeu­gen, durch mein­ei­di­ge Rich­ter zum Ker­ker ver­ur­tei­len läßt; das Schwein, das sich in al­len Las­ter­pfüt­zen von Ita­li­en wälz­te, den Wolf, der sich für sei­nen Baals-Hof­staat für im­mer jähr­lich fünf Mil­lio­nen durch mein­ei­di­ge Land­stän­de ver­wil­li­gen läßt, und fragt dann: »Ist das ei­ne Ob­rig­keit von Gott zum Se­gen ver­ord­net?«

Ha! du wärst Ob­rig­keit von Gott?
Gott spen­det Se­gen aus;
Du raubst du schin­dest, ker­kerst ein,
Du nicht von Gott, Ty­rann!

Ich sa­ge euch: sein und sei­ner Mit­fürs­ten Maß ist voll. Gott, der Deutsch­land um sei­ner Sün­den wil­len ge­schla­gen hat durch die­se Fürs­ten, wird es wie­der hei­len. »Er wird die He­cken und die Dör­ner nie­der­rei­ßen und auf ei­nem Hau­fen ver­bren­nen.« (Je­sai­as 27,4)

So we­nig der Hö­cker noch wäch­set, wo­mit Gott die­sen Kö­nig Lud­wig ge­zeich­net hat, so we­nig wer­den die Schand­ta­ten die­ser Fürs­ten noch wach­sen kön­nen. Ihr Maß ist voll. Der Herr wird ih­re Zwing­bur­gen zer­schmei­ßen und in Deutsch­land wird dann le­ben und Kraft, der Se­gen der Frei­heit wie­der er­blü­hen. Zu ei­nem gro­ßen Lei­chen­fel­de ha­ben die Fürs­ten die deut­sche Er­de ge­macht, wie Ezechiel im 37. Ka­pi­tel be­schreibt: »Der Herr führ­te mich auf ein wei­tes Feld, das vol­ler Ge­bei­ne lag, und sie­he, sie wa­ren sehr ver­dorrt.« Aber wie lau­tet des Herrn Wort zu den ver­dorr­ten Ge­bei­nen: »Sie­he ich will euch Adern ge­ben und Fleisch las­sen über euch wach­sen, und euch mit Haut über­zie­hen, und will euch Odem ge­ben, daß ihr wie­der le­ben­dig wer­det, und sollt er­fah­ren, daß Ich der Herr bin.« Und des Herrn Wort wird auch an Deutsch­land sich wahr­haf­tig be­wei­sen, wie der Pro­phet spricht: »Sie­he es rausch­te und reg­te sich und die Ge­bei­ne ka­men wie­der zu­sam­men, ein jeg­li­ches zu sei­nem Ge­bein. – Da kam Odem in sie und sie wur­den wie­der le­ben­dig und rich­te­ten sich wie­der auf ih­re Fü­ße, und ih­rer war ein sehr groß Heer.«

Wie der Pro­phet schrei­bet, so stand es bis­her in Deutsch­land: eu­re Ge­bei­ne sind ver­dorrt, denn die Ord­nung, in der ihr lebt, ist ei­tel Schin­de­rei. 6 Mil­lio­nen be­zahlt im Groß­her­zog­tum ei­ner Hand­voll Leu­te, de­ren Will­kür eu­er Le­ben und Ei­gen­tum über­las­sen ist, und die an­de­ren in dem zer­ris­se­nen Deutsch­land gleich al­so. Ihr seid nichts, ihr habt nichts! Ihr seid recht­los. Ihr müs­set ge­ben, was eu­re un­er­sätt­li­chen Pres­ser for­dern, und tra­gen, was sie euch auf­bür­den. So weit ein Ty­rann bli­cket – und Deutsch­land hat de­ren wohl drei­ßig – ver­dor­ret Land und Volk. Aber wie der Pro­phet schrei­bet, so wird es bald ste­hen in Deutsch­land: der Tag der Auf­er­ste­hung wird nicht säu­men. In dem Lei­chen­fel­de wird sichs re­gen und wird rau­schen und der Neu­be­leb­ten wird ein gro­ßes Heer sein.

Hebt die Au­gen auf und zählt das Häuf­lein eu­rer Pres­ser, die nur stark sind durch das Blut, das sie euch aus­sau­gen und durch eu­re Ar­me, die ihr ih­nen wil­len­los lei­het. Ih­rer sind viel­leicht 10,000 im Groß­her­zog­tum und Eu­rer sind es 700,000 und al­so ver­hält sich die Zahl des Vol­kes zu sei­nen Pres­sern auch im üb­ri­gen Deutsch­land. Wohl dro­hen sie mit dem Rüst­zeug und den Rei­si­gen der Kö­ni­ge, aber ich sa­ge euch: Wer das Schwert er­hebt ge­gen das Volk, der wird durch das Schwert des Vol­kes um­kom­men. Deutsch­land ist jetzt ein Lei­chen­feld, bald wird es ein Pa­ra­dies sein. Das deut­sche Volk ist Ein Leib ihr seid ein Glied die­ses Lei­bes. Es ist ei­ner­lei, wo die Schein­lei­che zu zu­cken an­fängt. Wann der Herr auch sei­ne Zei­chen gibt durch die Män­ner, durch wel­che er die Völ­ker aus der Dienst­bar­keit zur Frei­heit führt, dann er­he­bet euch und der ganz Leib wird mit euch auf­ste­hen.

Ihr bück­tet euch lan­ge Jah­re in den Dor­n­ä­ckern der Knecht­schaft, dann schwitzt ihr ei­nen Som­mer im Wein­ber­ge der Frei­heit, und wer­det frei sein bis ins tau­sends­te Glied.

Ihr wühl­tet ein lan­ges Le­ben die Er­de auf, dann wühlt ihr eu­ren Ty­ran­nen ein Grab. Ihr bau­tet die Zwing­bur­gen, dann stürzt ihr sie, und bau­et der Frei­heit Haus. Dann könnt ihr eu­re Kin­der frei tau­fen mit dem Was­ser des Le­bens. und bis der Herr euch ruft durch sei­ne Bo­ten und Zei­chen, wa­chet und rüs­tet euch im Geis­te und be­tet ihr selbst und lehrt eu­re Kin­der be­ten: »Herr, zer­brich den Ste­cken un­se­rer Trei­ber und laß dein Reich zu uns kom­men, das Reich der Ge­rech­tig­keit. Amen.«

Links:
Der Hes­si­sche Land­bo­te (Wi­ki­pe­dia)
Ge­org Büch­ner (Wi­ki­pe­dia)
Fried­rich Lud­wig Wei­dig (Wi­ki­pe­dia)
Der Hes­si­sche Land­bo­te (Text bei Gu­ten­berg)
Der Hes­si­sche Land­bo­te (Text bei ze­no)

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