Lü­gen, Angst und Pro­pa­gan­da

Zentralbild/Sturm 1. Mai 1953 - Kampftag der Werktätigen für Frieden, Einheit, Demokratie und Sozialismus Demonstration auf dem Marx-Engels-Platz in Berlin. UBz: An der Spitze des Demonstrationszuges: Die Bilder von Marx, Engels, Lenin und Stalin.

… und sich selbst als Lö­sung an­bie­ten.

Die Zu­hö­rer mit Bil­dern von ei­ner hei­len Welt an­rüh­ren, sie so­dann durch das Her­auf­be­schwö­ren apo­ka­lyp­ti­scher Vi­sio­nen zum Schau­dern brin­gen und im drit­ten Akt durch das un­ver­mit­tel­te Auf­tre­ten ei­nes Ret­ters oder ei­ner ret­ten­den Idee in letz­ter Se­kun­de läu­tern. Ei­ner der Klas­si­ker der Rhe­to­rik, zu­mal der po­li­ti­schen, mit nicht ganz zu­fäl­li­gen An­klän­gen an die Grie­chi­sche Tra­gö­die. Fast al­le Pro­fis und Über­zeu­gungs­tä­ter ma­chen es mehr oder we­ni­ger so. Schon im­mer.

Über­zeu­gungs­ar­beit be­steht zu 90% aus Pro­pa­gan­da, dem Zu­recht­ma­chen, Auf­be­rei­ten oder Schmin­ken von Rea­li­tä­ten, der emo­tio­na­len An­spra­che ger­ne mit Hil­fe von Über- oder Un­ter­trei­bung zur Be­un­ru­hi­gung oder Be­schwich­ti­gung und – zu­mal im po­li­ti­schen Kon­text – der Prä­sen­ta­ti­on ei­ner Heil brin­gen­den Ge­samt­lö­sung zum krö­nen­den Ab­schluss & Hö­he­punkt des Vor­trags. Und manch­mal gibts als Bo­nus zwi­schen den Zei­len noch 10% sach­li­che In­for­ma­ti­on.

Tie­re ma­chen es üb­ri­gens eben­so. An­schlei­chen (ich bin gar nicht da), Dro­hen & Zäh­ne Flet­schen (ich bin stark und ge­fähr­lich), Auf­p­lus­tern (ich bin groß und bie­te Schutz). Der ein­zi­ge Weg zur Wahr­heit, oder sa­gen wir mal zur rea­lis­ti­schen Ein­schät­zung der La­ge und der Din­ge, be­steht dar­in, sich über die Be­dürf­nis­se und In­ter­es­sen al­ler Be­tei­lig­ten ein­schließ­lich der ei­ge­nen Per­son Klar­heit zu ver­schaf­fen. Und zwar mög­lichst nüch­tern und rea­lis­tisch.

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The Pa­nic – Run on the Fourth Na­tio­nal Bank, No. 20 Nas­sau Street. Il­lus. in: Frank Leslie’s Il­lus­tra­ted News­pa­per, 1873 Oct. 4, p. 67. [Pu­blic do­main] , via Wi­ki­me­dia Com­mons

Am bes­ten, man be­ginnt bei sich selbst. Denn kennt man ei­nen, kennt man al­le – zu­min­dest im Gro­ben. Ein­mal ab­ge­se­hen von dem fun­da­men­ta­len Ge­gen­satz zwi­schen Mann & Frau – die be­kannt­lich von un­ter­schied­li­chen Pla­ne­ten stam­men – sind Men­schen, al­so die Män­ner auf der ei­nen und die Frau­en auf der an­de­ren Sei­te der Spiel­wie­se, sich näm­lich trotz an­ders­lau­ten­der Ge­rüch­te im Grund­satz al­le­samt ziem­lich ähn­lich, je­den­falls was ih­re An­trie­be an­be­langt. Wir un­ter­schei­den uns im We­sent­li­chen nur durch un­ter­schied­lich ver­teil­te na­tür­li­che Be­ga­bun­gen, So­zia­li­sa­ti­on, Er­fah­rung so­wie durch die Ko­or­di­na­ten un­se­rer je­wei­li­gen ak­tu­el­len Po­si­ti­on und die dar­aus sich er­ge­ben­den In­ter­es­sen, Be­wer­tun­gen und Per­spek­ti­ven. Zu­sam­men ge­nom­men ist all das ver­mut­lich auch die Ba­sis un­se­res Be­wusst­seins.

Stets geht es da­bei nicht zu­letzt um die Al­ter­na­ti­ven ‘Be­wah­ren’ oder ‘Ver­än­dern’, al­so um die Fra­ge, ob man bzw. wer dar­an glaubt, bes­ser mit ei­nem wei­ter so wie bis­her zu fah­ren oder ob man bzw. wer dar­an glaubt, sei­ne Si­tua­ti­on und Aus­sich­ten ver­bes­sern zu kön­nen, wenn ein Rich­tungs­wech­sel er­folgt. Hier­bei kom­men ver­schie­de­ne Din­ge zu­sam­men: Er­fah­run­gen, Ein­stel­lun­gen, Er­war­tun­gen und wei­te­res mehr. Je we­ni­ger man zu ver­lie­ren hat, des­to mehr steigt die Be­reit­schaft, et­was zu ris­kie­ren. ‘Wer wagt, ge­winnt’ oder ‘die Hoff­nung stirbt zu­letzt’ wa­ren da­bei schon häu­fig sich selbst er­fül­len­de Pro­phe­zei­hun­gen.

Ti­tel­bild: Bun­des­ar­chiv, Bild 183–19400-0029 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wi­ki­me­dia Com­mons

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