Prof. Nor­bert Bolz ana­ly­siert Kli­ma­be­we­gung & Grü­ne

Bea­trix von Storch im Ge­spräch mit Nor­bert Bolz bei Freie Welt TV

[Gast­bei­trag: Aus­zü­ge aus dem In­ter­view]

“Erst jetzt wird für je­den, glau­be ich, deut­lich, dass die Kli­ma­ka­ta­stro­phen- Dis­kus­si­on ei­ne Art er­satz­re­li­giö­se Funk­ti­on hat. Das spürt man eben an die­sem Kult, an der Hei­li­gen­ver­eh­rung um Gre­ta. […] Da wird es na­tür­lich gro­tesk. […]

ABER ernst­zu­neh­men ist na­tür­lich, dass die grü­ne Be­we­gung ins­ge­samt – und die Kli­ma­be­we­gung ist ja nur die Spit­ze die­ser grü­nen Be­we­gung – ein Va­ku­um aus­füllt. Ein Va­ku­um des re­li­giö­sen Be­dürf­nis­ses. Denn al­le an­de­ren re­li­giö­sen An­ge­bo­te, ge­ra­de die von der christ­li­chen Kir­che, sind nicht mehr at­trak­tiv ge­nug. […]

Ei­ne sehr hand­fes­te Di­men­si­on die­ser ‘re­li­giö­sen Be­we­gung Grün’, wenn Sie so wol­len, ist na­tür­lich, dass sie ei­ne apo­ka­lyp­ti­sche Dro­hung ver­knüpft mit den kon­kre­ten Ver­hei­ßun­gen ei­ner Ret­tung. Das ist ei­gent­lich das idea­le An­ge­bot. Man sagt, es ist fünf vor zwölf. Die Ka­ta­stro­phe ist sehr, sehr nah. Es sei denn, es kommt zu ei­ner to­ta­len, wie man bei Theo­lo­gen sagt, Me­ta­noia, ei­nem voll­kom­me­nen Um­den­ken, ein Auf-den-Kopf-Stel­len der bis­he­ri­gen Ver­hält­nis­se. Dann ist die Ret­tung nach wie vor mög­lich.

Und nun kommt das wirk­lich At­trak­ti­ve an die­ser re­li­giö­sen Be­we­gung: ‘Du sel­ber kannst ak­tiv et­was da­für tun, da­mit die Welt doch ge­ret­tet wird.’ Das ist ei­gent­lich ein phan­tas­ti­sches An­ge­bot. Du kannst im All­tag Schrit­te un­ter­neh­men, um das Un­heil ab­zu­wen­den, das uns al­len droht. Al­so, man hat die apo­ka­lyp­ti­sche Dro­hung und die Mög­lich­keit der Ret­tung, an der sich je­der ein­zel­ne be­tei­li­gen kann. Sehr viel mehr kann man ei­gent­lich nicht bie­ten als Re­li­gi­on. Und man hat na­tür­lich auch die ent­spre­chen­den Pro­phe­ten. Man hat ei­ne Hei­li­ge, die man ver­ehrt.”

Deutsch­land ist Spit­zen­rei­ter im Gut­men­schen­tum

“Das sind al­les Din­ge, die den Men­schen of­fen­bar sehr feh­len und die sehr deut­lich zei­gen, dass Auf­klä­rung et­was ist, wor­auf ei­ne mo­der­ne Ge­sell­schaft nicht ver­zich­ten kann, aber dass die kon­kre­ten ein­zel­nen Men­schen of­fen­bar mit ei­nem auf­ge­klär­ten Men­schen­bild nicht glück­lich wer­den […]

Na­tür­lich ist Deutsch­land, wie im­mer, wenn es ums Gut­men­schen­tum geht, Welt­spit­zen­rei­ter, al­so Welt­meis­ter. Auch in der Gre­ta-Ver­eh­rung und im Kli­ma­kult. Aber man muss se­hen, dass das auch in an­de­ren west­li­chen Län­dern schon um sich ge­grif­fen hat, wenn auch nicht in die­ser fa­na­ti­schen Form wie in Deutsch­land. […] Man kann in Deutsch­land sehr deut­lich se­hen, dass die­ses er­satz­re­li­giö­se An­ge­bot brei­te Mas­sen er­reicht. In­ter­es­san­ter­wei­se ge­ra­de Bil­dungs­bür­ger. Al­so Leu­te, die ers­tens ge­bil­det sind und an­de­rer­seits reich sind, al­so de­nen es sehr, sehr gut geht. Wir wis­sen ja al­le, dass die Grü­nen ei­gent­lich die Par­tei der Wohl­ha­ben­den sind. Auch ‘Fri­days for Fu­ture’ ist ei­ne Lu­xus­ge­mein­schaft. Das sind ver­wöhn­te Kin­der, de­nen es zu gut geht, hät­te man frü­her ge­sagt. […] Es wird ei­ne Lee­re aus­ge­füllt, die ent­stan­den ist, in­dem an­de­re ideo­lo­gi­sche An­ge­bo­te Schiff­bruch er­lit­ten ha­ben. […]

Das Ent­schei­den­de ist, den­ke ich, dass das Leu­te sind, die frü­her ja ein ganz an­de­res An­ge­bot ak­zep­tiert ha­ben, näm­lich das des Neo-Mar­xis­mus. […] Seit die­ses An­ge­bot in sich zu­sam­men­ge­bro­chen ist – das hängt mit dem Zu­sam­men­bruch der So­wjet­uni­on und dem Fall der Mau­er zu­sam­men – gibt es ein gi­gan­ti­sches ideo­lo­gi­sches Va­ku­um. Und man muss den Grü­nen zu­ge­ste­hen, dass sie mit die­sem Dop­pel­an­ge­bot ‘Apo­ka­lyp­se plus Ret­tung’ ei­nen wirk­li­chen Knül­ler ge­lan­det ha­ben. Das ist für vie­le Leu­te be­geis­ternd. Weil man eben sel­ber an­pa­cken kann. Man kann sel­ber et­was für die Ret­tung der Welt tun. […]”

[Wört­li­che Re­de sprach­lich ‘ge­glät­tet’]

‘Das gan­ze Bild’: Deutsch­land ist Spit­zen­rei­ter im Gut­men­schen­tum. Prof. Nor­bert Bolz zu Gast bei Bea­trix von Storch.
In­halts­ver­zeich­nis des Vi­de­os
01:27 Die men­schen­ge­mach­te, glo­ba­le Kli­ma­er­wär­mung. Wer ist Gre­ta Thun­berg?
03:48 Was sind die re­li­giö­sen Zü­ge der Kli­ma­be­we­gung?
05:37 Wel­chen Raum nimmt die­se Er­satz­re­li­gi­on be­reits ein?
08:23 War­um er­rei­chen die Kir­chen die Men­schen nicht mehr?
10:51 Die lin­ke In­to­le­ranz.
12:57 Wel­che Rol­le spie­len die Me­di­en?
17:39 Ist der öf­fent­lich-recht­li­che Rund­funk noch neu­tral?
20:03 Zei­tun­gen sol­len mit Mil­lio­nen Eu­ro von der Re­gie­rung un­ter­stützt wer­den. Wie ist dies zu be­wer­ten?
21:14 Wel­ches sind die schwer­wie­gends­ten Pro­ble­me für un­se­re heu­ti­ge De­mo­kra­tie?

Au­tor: [Gast­au­tor], [Freie Welt TV]

Links:
Freie Welt (freie​welt​.net)
Freie Welt TV (Ka­nal auf YouTube)

In der Dia­lek­tik der Auf­klä­rung un­ter­zie­hen Max Hork­hei­mer und Theo­dor W. Ador­no “den Ver­nunft­be­griff der Auf­klä­rung ei­ner ra­di­ka­len Kri­tik. Sie for­mu­lier­ten die The­se, dass sich be­reits zu Be­ginn der Mensch­heits­ge­schich­te mit der Selbst­be­haup­tung des Sub­jekts ge­gen­über ei­ner be­droh­li­chen Na­tur ei­ne in­stru­men­tel­le Ver­nunft durch­ge­setzt ha­be, die sich als Herr­schaft über in­ne­re und äu­ße­re Na­tur be­fes­tig­te. Aus­ge­hend von die­sem „Herr­schaftscha­rak­ter“ der Ver­nunft be­ob­ach­te­ten Hork­hei­mer und Ador­no ei­nen Auf­schwung der My­tho­lo­gie, die „Rück­kehr der auf­ge­klär­ten Zi­vi­li­sa­ti­on zur Bar­ba­rei in der Wirklichkeit“,[1] wel­che sich in der ge­gen­wär­ti­gen Ge­sell­schaft auf un­ter­schied­li­che Wei­se ma­ni­fes­tie­re. Die­se „Ver­schlin­gung von My­thos und Auf­klä­rung“ (Habermas)[2] ha­be nicht ei­nen Be­frei­ungs-, son­dern ei­nen uni­ver­sel­len Selbst­zer­stö­rungs­pro­zess der Auf­klä­rung in Gang ge­setzt. Die­sem Pro­zess durch „Selbst­be­sin­nung“ und Selbst­kri­tik der Auf­klä­rung Ein­halt zu ge­bie­ten, war ein zen­tra­les Mo­tiv der Au­to­ren.” (Wi­ki­pe­dia)

Ti­tel­bild: Screen­shot von obi­gem Vi­deo

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