UN-Mi­gra­ti­ons­pakt – Kurz­in­fo, Pro und Con­tra, Ma­te­ria­li­en

Kur­z­über­sicht, Pro & Con­tra, Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen, Link­samm­lung

Ar­gu­men­te Pro und Kon­tra Mi­gra­ti­ons­pakt

Be­für­wor­ter sa­gen: ‘Mi­gra­ti­on war schon im­mer […] ei­ne Quel­le des Wohl­stands, der In­no­va­ti­on und der nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung’. So heißt es im ‘Glo­bal Com­pact for Mi­gra­ti­on’ gleich zu Be­ginn des Ka­pi­tels über ‘Vi­si­on und Leit­prin­zi­pi­en’. Öko­no­mi­sche Über­le­gun­gen und In­ter­es­sen sind al­so ei­nes der Haupt­mo­ti­ve der För­de­rung von Mi­gra­ti­on. In der Tat er­zeugt Mi­gra­ti­on Um­sät­ze, Wachs­tum und Pro­fit. Zum ei­nen, in­dem sie als ‘mi­gra­ti­on to jobs’ Ar­beits­kräf­te in den tech­no­lo­gisch hoch ent­wi­ckel­ten, aber ge­bur­ten­schwa­chen In­du­strie- und Hoch­lohn­län­dern ver­füg­bar macht. Ho­he Trans­fer­leis­tun­gen von Mi­gran­ten an die Fa­mi­lie in der Hei­mat sor­gen zu­dem für ei­ne ge­ziel­te­re wirt­schaft­li­che und kul­tu­rel­le An­bin­dung der Ent­wick­lungs­län­der an die ent­wi­ckel­te Welt, als dies nach den Er­fah­run­gen der letz­ten Jah­re durch staat­li­che Ent­wick­lungs­hil­fe mög­lich ist.

Auch Mi­gra­ti­on in die So­zi­al­sys­te­me (mi­gra­ti­on to wel­fa­re) ge­ne­riert Wachs­tum und Pro­fit, denn die Ver­sor­gung be­dürf­ti­ger Mi­gran­ten in den eu­ro­päi­schen So­zi­al­staa­ten pro­du­ziert ein Viel­fa­ches der Um­sät­ze, die in den Hei­mat­län­dern an­fie­len. Mi­gra­ti­on in die So­zi­al­sys­te­me ist ein his­to­risch neu­es Phä­no­men. Ers­te An­sät­ze von So­zi­al­staa­ten gibt es über­haupt erst seit 150 Jah­ren als Re­ak­ti­on auf die in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on, die auf­grund der Tren­nung des Men­schen von der selbst be­wirt­schaf­te­ten Schol­le, mit der er seit der Sess­haft­wer­tung ver­bun­den war, das En­de sei­nes Sta­tus als au­to­no­mer Selbst­ver­sor­ger (im Rah­men ei­ner fa­mi­liä­ren Sip­pe) be­deu­te­te. Dau­er­haf­te weit­ge­hen­de Voll­ver­sor­gung mit dem Le­bens­not­wen­di­gen in Wohl­fahrts­staa­ten gibt es so­gar erst nach dem 2. Welt­krieg und auch nur in ei­ni­gen we­ni­gen skan­di­na­vi­schen und west- und mit­tel­eu­ro­päi­schen Staa­ten. Volks­wirt­schaft­lich ist ‘mi­gra­ti­on to wel­fa­re’ al­ler­dings kon­tra­pro­duk­tiv und für die In­te­gra­ti­on pro­ble­ma­tisch, da sie das Prin­zip des wech­sel­sei­ti­gen Ge­ben & Neh­men kon­ter­ka­riert, das ei­ne Ge­sell­schaft aus­macht, in­dem es den Men­schen ge­mein­sa­me Er­fah­run­gen mit­ein­an­der ‘auf Au­gen­hö­he’ er­mög­licht.

Be­für­wor­ter ver­wei­sen dar­auf, dass Neu­gier, Aben­teu­er­lust und Ent­de­cker­drang die Ent­wick­lung vor­an­ge­bracht und im­mer wie­der für Höchst­leis­tun­gen und In­no­va­tio­nen ge­sorgt ha­ben. Eng ver­bun­den mit die­sen An­trie­ben oder so­gar Aus­fluss da­von sind je­doch auch Gier, Ri­va­li­tät und Kon­kur­renz un­ter den Men­schen, Völ­kern und Kul­tu­ren, die im­mer wie­der aufs Neue für Ver­tei­lungs­kämp­fe ge­sorgt ha­ben und sor­gen. Die­se Kämp­fe kann­ten stets Sie­ger und Ver­lie­rer. Aus hu­ma­nis­ti­scher Sicht ei­nes Frie­dens­freun­des ist es al­so durch­aus ein zwei­schnei­di­ges Schwert, in ei­ner hoch­gra­dig ver­teil­ten Welt ei­nen Wett­be­werb et­wa zwi­schen ar­cha­isch- tri­ba­lis­ti­schen und post­mo­dern- uni­ver­sa­lis­ti­schen Kul­tu­ren zu ent­fa­chen. Man kann die­se Sicht­wei­se durch­aus auch als Glo­ri­fi­zie­rung des So­zi­al­dar­wi­nis­mus be­trach­ten.

Ein wei­te­res Ar­gu­ment der Be­für­wor­ter von Mi­gra­ti­on ist das zu­neh­men­de Miss­trau­en, mit dem in­ter­na­tio­na­le Gre­mi­en und In­sti­tu­tio­nen und eu­ro­päi­sche Eli­ten dem Na­tio­nal­staat eu­ro­päi­scher Prä­gung be­geg­nen. Der Chau­vi­nis­mus (über­stei­ger­ter Na­tio­na­lis­mus) von Na­tio­nal­staa­ten und ihr An­spruch auf weit­ge­hen­de kul­tu­rel­le und zu­min­dest re­la­ti­ve eth­ni­sche Ho­mo­ge­ni­tät ten­die­re zu Ras­sis­mus und Aus­gren­zung und wird nicht nur his­to­risch für die bei­den Welt­krie­ge ver­ant­wort­lich ge­macht, son­dern auch in der Ge­gen­wart als Hin­der­nis für ein Zu­sam­men­wach­sen der Welt im Sin­ne der Glo­ba­li­sie­rung. Die­ses Nar­ra­tiv wird al­ler­dings von de­nen be­zwei­felt, die nicht fins­te­re The­sen ein­fa­cher Men­schen, Bür­ger und Völ­ker für die Ur­sa­che von Hass, Ge­walt, Ras­sis­mus und Krie­gen hal­ten, son­dern frag­wür­di­ge Mo­ti­ve so­wie Gier und Macht­gier von Eli­ten. ‘Lin­ke Kri­ti­ker’ die­ser The­se se­hen im li­be­ra­len und durch­läs­si­gen Na­tio­nal­staat ein Syn­onym für den So­zi­al­staat, des­sen Er­halt nö­tig sei, so­lan­ge die glo­ba­len öko­no­mi­schen Un­ter­schie­de noch so groß sei­en.

Das ent­schei­den­de ist, dass der Na­tio­nal­staat weit­ge­hend iden­tisch ist mit dem So­zi­al­staat. […] ” (Os­kar La­fon­tai­ne, phoe­nix, 23.02.2018 | Er­satz­link)

Kri­ti­ker des Pak­tes be­män­geln die pau­scha­le, aus­schließ­lich po­si­ti­ve Hal­tung der UN zu Mi­gra­ti­on, die als ‘Quel­le des Wohl­stands, der In­no­va­ti­on und der nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung’ be­schrie­ben wird. Hin­ge­gen ge­he der Pakt nicht auf die Pro­ble­me und Ge­fah­ren ein, die mit Mi­gra­ti­on ver­bun­den sei­en und küm­me­re sich ein­sei­tig um die An­sprü­che, Rech­te und Be­lan­ge der Mi­gran­ten, nicht aber um die In­ter­es­sen und Be­dürf­nis­se der ein­hei­mi­schen Be­völ­ke­rung im Ziel­land.

Kri­ti­ker aus dem lin­ken Spek­trum se­hen Mas­sen­mi­gra­ti­on pri­mär als sicht­ba­ren Aus­druck glo­ba­ler, öko­no­mi­scher Un­gleich­ge­wich­te und Fehl­ent­wick­lun­gen. Die­se Dis­pa­ri­tä­ten ver­schärf­ten sich noch, wenn es zur Ab­wan­de­rung gut aus­ge­bil­de­ter Fach­kräf­te kommt. Wäh­rend die Wirt­schaft pro­fi­tiert, tra­gen die Mi­gran­ten und ein­fa­chen Bür­ger glei­cher­ma­ßen die Las­ten: Bei qua­li­fi­zier­ter Zu­wan­de­rung in Form von Lohn­druck und Kon­kur­renz auf dem Ar­beits- bzw. Woh­nungs­markt (und Hei­rats­markt!), bei un­qua­li­fi­zier­ter Zu­wan­de­rung zu­sätz­lich in Form ho­her Be­las­tun­gen für die So­zi­al­sys­te­me (Ziel 15). Mi­gra­ti­on sei Um­ver­tei­len von Ar­mut statt Tei­len von Reich­tum nach dem Prin­zip ‘Ge­win­ne pri­va­ti­sie­ren, Ver­lus­te so­zia­li­sie­ren’. Tei­len von Reich­tum hin­ge­gen be­deu­te Frie­dens­po­li­tik statt im­pe­ria­le oder neo­ko­lo­nia­le Am­bi­tio­nen, fai­re Wirt­schafts- und Han­dels­prak­ti­ken so­wie Hil­fe zur Selbst­hil­fe vor Ort. (Sie­he ‘Der neo­ko­lo­nia­le Pakt’, ‘Ka­ra­wa­ne der Mi­gran­ten’). Was not­tue, sei kein Mi­gra­ti­ons­pakt, son­dern ein Mar­shall- Plan für Afri­ka und an­de­re die ar­me Län­der der Welt.

Kon­ser­va­ti­ve und pa­trio­ti­sche Kri­ti­ker leh­nen den Pa­ra­dig­men­wech­sel ab, den der Pakt dar­stel­le: För­de­rung von Mi­gra­ti­on statt Be­gren­zung von Mi­gra­ti­on. Der Un­ter­schied zwi­schen Flucht (tem­po­rä­re Auf­nah­me), Ar­muts- und Wirt­schaft­mi­gra­ti­on (kei­ne Auf­nah­me­be­rech­ti­gung) und re­gu­lä­rer Mi­gra­ti­on (Zu­wan­de­rung auf Dau­er) wer­de ver­wischt und aus ‘Il­le­ga­li­tät’ wer­de ‘Le­ga­li­tät’ (‘Spur­wech­sel’). Sie wei­sen auf die enor­men Kos­ten hin (der­zeit pro Jahr ca. 50 Mrd Eu­ro in Deutsch­land), die bei Mas­sen­zu­wan­de­rung in die So­zi­al­sys­te­me für Ver­sor­gung (Ziel 15) und In­te­gra­ti­on (u.a. Zie­le 16, 18) für Men­schen an­fal­len, die nie et­was zu die­sen Sys­te­men bei­ge­tra­gen hät­ten. Dies stel­le ein ‘be­din­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men’ für Mi­gran­ten dar, ei­ne Be­vor­zu­gung ge­gen­über der ein­hei­mi­schen Be­völ­ke­rung wie auch bei der Woh­nungs­ver­sor­gung und bei den Ne­ben­kos­ten, die für Mi­gran­ten häu­fig pau­schal vom ‘Amt’ über­nom­men wer­den (?).

Ein ge­wal­ti­ges Pro­blem stell­ten auch die Ver­wer­fun­gen und Ge­fah­ren für die ein­hei­mi­sche Be­völ­ke­rung hin­sicht­lich Ter­ror, Kri­mi­na­li­tät und Ge­walt dar, die von kul­tur­frem­den, ar­cha­isch, tri­bal und oft­mals ge­waltaf­fin so­zia­li­sier­ten al­lein­rei­sen­den jun­gen Män­nern aus Kriegs-, Kri­sen und Elends­ge­bie­ten aus­ge­hen, die ei­nen Groß­teil der Zu­wan­de­rung nach Eu­ro­pa aus­ma­chen und sich im Gast­land häu­fig in Män­ner­grup­pen zu­sam­men­fin­den. Dies führt zu ei­nem Frau­en­man­gel [2] [3] [4] in den jun­gen Jahr­gän­gen, aus dem sich Kon­kur­renz und Ri­va­li­tät un­ter jun­gen Män­nern und Ge­fah­ren für Frau­en er­ge­ben. Auch die ein­si­ckern­de re­li­giö­se In­to­le­ranz, das ar­chai­sche Frau­en­bild und die Ge­fahr der Bil­dung von Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten be­rei­ten Pro­ble­me (sie­he Ziel 19). Der enor­me Zu­strom kul­tur­frem­der Mi­gran­ten so­wie die ho­hen Ge­bur­ten­ra­ten der Zu­wan­de­rer­fa­mi­li­en im Ver­gleich zu den nied­ri­gen Re­pro­duk­ti­ons­ra­ten der in­di­ge­nen Be­völ­ke­rung füh­re zu ei­ner all­mäh­li­chen Ver­drän­gung der au­to­ch­to­nen Be­völ­ke­rung. Ge­ne­rell sei Ein­wan­de­rung in die So­zi­al­sys­te­me kon­tra­pro­duk­tiv für In­te­gra­ti­on oder As­si­mi­la­ti­on.

All die­se Fak­tu­ren lie­ßen ei­nen Clash of Cul­tu­res, ei­ne Ver­ro­hung des öf­fent­li­chen Le­bens und ei­nen Ver­fall der Sit­ten be­fürch­ten, der ei­ne De­sta­bi­li­sie­rung von Staat und Ge­mein­we­sen in sei­ner bis­he­ri­gen Form und ei­ne schlei­chen­den Ent­frem­dung, den all­mäh­li­chen Ver­lust von Kul­tur, Iden­ti­tät, Ver­traut­heit und so­zia­ler Si­cher­heit in der auf­neh­men­den Ge­sell­schaft und ein zu­neh­men­des Ge­fühl des Fremdseins im ei­ge­nen Land zur Fol­ge ha­be.

Be­für­wor­ter des Pak­tes wei­sen auf die un­teil­ba­re Men­schen­wür­de und die all­ge­mei­nen Men­schen­rech­te hin, die für al­le Men­schen gel­ten und auf die hu­ma­ni­tä­ren Ver­pflich­tun­gen zur Hil­fe für Men­schen in Not, die sich dar­aus für al­le Staa­ten der Staa­ten­ge­mein­schaft er­ge­ben (u.a. Zie­le 7, 8, 10, 14, 15, 23). [An­mer­kung d. Verf.: Gilt die­se Ver­pflich­tung nicht auch für die­je­ni­gen Men­schen in Not, die da­heim blei­ben? 8 Mio Da­heim­ge­blie­be­ne, zu­meist Frau­en und Kin­der, ster­ben jähr­lich an Un­ter­ernäh­rung!] Sie er­hof­fen sich vom Pakt ei­ne Ver­bes­se­rung der in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit zum Woh­le der Mi­gran­ten (u.a. Zie­le 7, 8, 10, 14, 15, 23).

Sie ar­gu­men­tie­ren, dass ho­he recht­li­che und so­zia­le Stan­dards, wie sie in Deutsch­land be­reits gel­ten und um­ge­setzt sind, für al­le Staa­ten der Staa­ten­ge­mein­schaft ver­pflich­tend wer­den bzw. an­de­re Staa­ten ver­pflich­tet sei­en, sich die­sen Stan­dards nach Kräf­ten an­zu­nä­hern. Das min­de­re den Mi­gra­ti­ons­druck auf Deutsch­land, da so mehr Ziel­län­dern mit gu­ten Stan­dards als Al­ter­na­ti­ve zu Deutsch­land zur Ver­fü­gung stün­den. Da die­se Stan­dards hier­zu­lan­de be­reits wei­test­ge­hend ver­wirk­licht sei­en, be­stehe in Deutsch­land kein wei­te­rer Hand­lungs­be­darf, in vie­len an­de­ren Län­dern hin­ge­gen schon.

Kri­ti­ker hal­ten die­se Ar­gu­men­ta­ti­on al­ler­dings für un­rea­lis­tisch, denn in kaum ei­nem Land gibt es nach den Er­fah­run­gen seit der Mas­sen­zu­wan­de­rung und dem deut­schen Al­lein­gang in 2015 über­haupt (noch) ei­nen ver­gleich­bar aus­ge­präg­ten po­li­ti­schen Wil­len in der Be­völ­ke­rung pro Mi­gra­ti­on oder zu ei­ner mul­ti­kul­tu­rel­len Ge­sell­schaft, wie das in Deutsch­land in maß­geb­li­chen Tei­len der Ge­sell­schaft nach wie vor der Fall ist. Die Bun­des­re­gie­rung schei­te­re mit ih­rer ‘eu­ro­päi­schen Lö­sung’, die ähn­li­che Zie­le vor­sah wie der Pakt, u.a. auch ei­ne ge­rech­te­re Ver­tei­lung der Zu­wan­de­rer auf al­le EU- Län­der, seit 3 Jah­ren am Wi­der­stand der EU-Part­ner. Da sei es we­nig wahr­schein­lich, dass ‘in­ter­na­tio­na­le Lö­sun­gen’ er­folg­rei­cher sei­en. Selbst fi­nanz­star­ke Län­der wie Ös­ter­reich oder Dä­ne­mark re­du­zie­ren ih­re Leis­tun­gen, um Mi­gran­ten kei­ne An­rei­ze zu bie­ten.

Den meis­ten an­de­ren po­ten­ti­el­len Ziel­län­dern, die dem Pakt bei­tre­ten wol­len, man­gelt es oh­ne­hin an den wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten, Mi­gran­ten ei­ne Voll­ver­sor­gung nach deut­schem Vor­bild zu ge­wäh­ren. Der deut­sche So­zi­al­hil­fe- bzw. Hartz 4- Satz liegt über dem Min­dest- oder gar Durch­schnitts­lohn vie­ler an­de­rer Län­der. Die Sog­wir­kung nach Deutsch­land blei­be be­stehen und wer­de durch ei­ne güns­ti­ge Ge­stal­tung der Mi­gra­ti­on noch ein­mal er­heb­lich ver­stärkt. Am En­de ste­he zu be­fürch­ten, dass Deutsch­land das ein­zi­ge Land oder ei­nes von ganz we­ni­gen sei, das den Pakt nach Punkt und Kom­ma er­fül­le, wäh­rend sich sonst kei­nes dar­an hal­ten wer­de. (Fleisch­hau­er)

Wenn Wel­ten auf­ein­an­der­pral­len: Hei­ko Maas (SPD) vs. Gott­fried Cu­rio (AfD) in der De­bat­te über den Mi­gra­ti­ons­pakt

Kon­ser­va­ti­ve Be­für­wor­ter ver­wei­sen auf die im Pakt ge­for­der­te in­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit bei der ‘Mi­ni­mie­rung nach­tei­li­ger Trieb­kräf­te und struk­tu­rel­ler Fak­to­ren, die Men­schen da­zu be­we­gen, Ih­re Her­kunfts­län­der zu ver­las­sen’ (Ziel 2), beim Grenz­ma­nage­ment (Ziel 11) und bei der Ein­däm­mung des Schlep­per- und Schleu­ser- Un­we­sens (Ziel 9). Die Selbst­ver­pflich­tung der Staa­ten, al­le Bür­ger und Mi­gran­ten mit Aus­weis­do­ku­men­ten zu ver­sor­gen (Ziel 4), er­hö­he die Rechts­si­cher­heit und er­leich­te­re ei­ne Rück­kehr der Mi­gran­ten in die Hei­mat oder Rück­nah­me­ver­ein­ba­run­gen mit den Her­kunfts­län­dern.

Be­für­wor­ter des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus schwär­men von Welt­of­fen­heit, Viel­falt und To­le­ranz und von ei­ner le­ben­di­ger wer­den­den Ge­sell­schaft auf­grund der En­er­gie und des Elans, den die meist jun­gen und oft­mals gar ju­gend­li­chen Zu­wan­de­rer ein­bräch­ten. Die un­ge­wohn­ten frem­den Sit­ten, Bräu­che und Ge­wohn­hei­ten, an­de­re Sicht­wei­sen und Hal­tun­gen und hier­zu­lan­de we­nig be­kann­te Kennt­nis­se und Fä­hig­kei­ten von Men­schen aus an­de­ren Kul­tur­krei­sen stell­ten ei­ne Be­rei­che­rung dar.

Kri­ti­ker be­män­geln, dass die Un­ver­bind­lich­keit des Ver­tra­ges (Prä­am­bel, 7) auf Dau­er nicht ge­währ­leis­tet sei, da Völ­ker­recht Ge­wohn­heits­recht sei und das ‘Soft Law’ des Mi­gra­ti­ons­pak­tes im Zu­ge von Ge­richts­ur­tei­len, die sich auf den Pakt be­rie­fen, nach und nach ins ‘Hard Law’ ein­si­ckern wer­de. Des Wei­te­ren ver­wei­sen sie auf die ge­rin­gen be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen, die die meis­ten Zu­wan­de­rer mit­bräch­ten.

Auf­grund des Zie­les 17 (so­wie ‘Vi­si­on’, Ab­schnitt 10 und 15,j) se­hen Kri­ti­ker die Pres­se­frei­heit in Ge­fahr. Un­ter die­sem Punkt wird die ‘Be­sei­ti­gung al­ler For­men der Dis­kri­mi­nie­rung und För­de­rung ei­nes auf nach­weis­ba­ren Fak­ten be­ru­hen­den öf­fent­li­chen Dis­kur­ses zur Ge­stal­tung der Wahr­neh­mung von Mi­gra­ti­on’ ein­ge­for­dert. Wer ent­schei­det dar­über, was nach­weis­ba­re ‘Fak­ten’ sind und was ‘Dis­kri­mi­nie­rung’ ist? Die Er­fah­run­gen der ver­gan­gen Jah­re in den De­bat­ten über Flücht­lings­kri­mi­na­li­tät, #me­too, Pu­tin, Trump oder All­tags­ras­sis­mus sind we­nig er­mu­ti­gend, dass ei­ne auf­ge­klär­te, li­be­ra­le Be­richt­erstat­tung stö­rungs­frei ge­währ­leis­tet ist.

Die Bun­des­tags­de­bat­te zum glo­ba­len Pakt für Mi­gra­ti­on am 29.11.18. Die Ab­ge­ord­ne­ten stimm­ten in na­ment­li­cher Ab­stim­mung mit 327 Stim­men ge­gen 153 Stim­men bei 141 Ent­hal­tun­gen (Welt) für ei­nen An­trag, der die Bun­des­re­gie­rung zur Zu­stim­mung zum Pakt auf­for­dert, aber auch da­zu, si­cher­zu­stel­len, dass die na­tio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät da­durch wei­ter­hin nicht be­ein­träch­tigt wer­de und kei­ne Rechts­ver­bind­lich­keit ent­ste­he. »Ab­stim­mungs­er­geb­nis. – Ei­nen An­trag der AfD Frak­ti­on am Fol­ge­tag, dem 30.11.2018, zur Ab­ga­be ei­ner Pro­to­koll­er­klä­rung zur völ­ker­recht­li­chen be­zie­hungs­wei­se recht­li­chen Un­ver­bind­lich­keit des „Glo­bal Com­pact for Safe, Or­der­ly and Re­gu­lar Mi­gra­ti­on“ für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land durch die deut­sche Bun­des­re­gie­rung bei der Un­ter­zeich­nung des Pak­tes im De­zem­ber in Mar­ra­kesch lehn­te der Bun­des­tag mit 541 ge­gen 89 Stim­men ab. »De­bat­te | »Ab­stim­mungs­er­geb­nis | »Ak­tu­el­le Stun­de zum UN-Re­gel­werk für Mi­gra­ti­on 19.04.2018 (Vi­deo)

In­ter­na­tio­na­le Ak­zep­tanz des Pak­tes

19 Län­der, und zwar na­he­zu aus­schließ­lich In­du­strie- und So­zi­al­staa­ten, die bis­lang und auch in ab­seh­ba­rer Zu­kunft po­ten­ti­el­le Ziel­län­der wa­ren bzw. wä­ren, ha­ben ent­we­der an­ge­kün­digt, dem Pakt nicht bei­zu­tre­ten, den Wunsch nach Än­de­run­gen ge­äu­ßert oder er­heb­li­che Be­den­ken an­ge­mel­det (Quel­le). Da­zu ge­hö­ren ei­ni­ge der be­deu­tends­ten nicht- eu­ro­päi­schen Staa­ten, näm­lich die klas­si­schen Ein­wan­de­rungs­län­der USA und Aus­tra­li­en so­wie Chi­na, Ja­pan, Is­ra­el, Süd­ko­rea, al­le Nach­bar­län­der Deutsch­lands mit Aus­nah­me von Frank­reich und Lu­xem­burg, näm­lich Ös­ter­reich, Schweiz, Bel­gi­en, Nie­der­lan­de, Tsche­chi­en, Dä­ne­mark, Po­len, fer­ner Ita­li­en und Schwe­den so­wie die wei­te­ren eu­ro­päi­schen Län­der Un­garn, Kroa­ti­en, Bul­ga­ri­en und Slo­we­ni­en. Gut mög­lich, dass in den kom­men­den Wo­chen noch mehr Län­der fol­gen wer­den.

1. Kurz­vor­stel­lung des Glo­ba­len UN- Mi­gra­ti­ons­pak­tes (Sei­te 1)
2. Ar­gu­men­te Pro & Con­tra Mi­gra­ti­ons­pakt (Sei­te 2)
3. Me­ta­kri­tik am Mi­gra­ti­ons­pakt (Sei­te 3)
4. wei­te­re Ma­te­ria­li­en & Link­samm­lung (Sei­te 4)

Links:
Glo­ba­ler Mi­gra­ti­ons­pakt (Ent­wurfs­text deutsch) (Er­satz­link)
Glo­bal Com­pact for Mi­gra­ti­on (Ent­wurfs­text eng­lisch) (Er­satz­link)
Glo­ba­ler Pakt für Flücht­lin­ge (Ent­wurfs­text deutsch) (Er­satz­link)
Glo­bal Com­pact on Re­fu­gees (Ent­wurfs­text eng­lisch) (Er­satz­link)

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